Hanna Rheinz:  Zwischen Streichelzoo und Schlachthof

Hanna Rheinz sagt was sie denkt und das sehr deutlich, dass ist gut so, provoziert aber auch und wird dadurch polarisierend.

So fordert sie beispielsweise ein Jagdverbot für Deutschland. Zum einen begründet sie dies aus dem Judentum heraus: "Das Fleisch gejagter Tiere gilt als "unter Todesangst gerissen", das heißt als Aas." schreibt aber auf derselben Seite, dass in der Bibel sehr wohl gejagt wurde. Vor allem schreibt sie nicht was sie den Lesern wohl raten möchte, die ständig des nachts von Wildschweinen und Waschbären terrorisiert werden. Sie behauptet außerdem, dass sich 90 Prozent aller Deutschen gegen die Jagd in Deutschland aussprächen, was ich bezweifle.

Biblisch betrachtet kann sich die Autorin keinesfalls Schützenhilfe aus den Büchern der Bibel holen. Man denke nur an 1. Mose 9 Vers 3, ich lese da: "Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise."

Spielerisch durchdenkt die Autorin den Fall, mit Kindern einen Schlachthof zu besichtigen und das Weinen der von ihren Müttern getrennten Kälber im Radio zu übertragen. Gespannt würde Hanna Rheinz auf die Reaktionen der Fleischindustrie warten.

Sie hat in vielen Aussagen natürlich recht. Im Streichelzoo zeigen wir uns entzückt über ein junges Lämmchen, zu Ostern liegt es bereits auf dem Mittagsteller und wird verspeist.

Sie hat auch Recht wenn sie die schlechte Haltung von Tieren anprangert und wenn sie der Fleischindustrie Vorwürfe macht, aber sie geht an der Stelle zu weit an der sie Tierschützern vorwirft, nicht konsequent genug vorzugehen.

Hanna Rheinz lebt und schreibt für ihre Vision, in der Mensch und Tier friedlich nebeneinander und miteinander leben, in der kein Mensch ein Tier tötet um es essen zu wollen. Diese Vision klingt ganz nett, würde aber mit Sicherheit völlig neue Probleme mit sich bringen. Auf diese geht Hanna Rheinz nicht ein und lässt somit viele Fragen unbeantwortet.

 

Kösel, ISBN 978-3-466-30901-6, 17, 99 Euro

Nach oben