Laszlo Trankovits:  Weniger Demokratie wagen

Deutschland ist das Land in dem so viel mitbestimmt werden kann wie in keinem anderen Land der Erde, aber ist das wirklich ein Gewinn?

Laszlo Trankovits behauptet in seinem neuen Buch: "Mehr Demokratie könnte ein gefährlicher Irrweg sein." Das klingt schon etwas fremd in den Ohren eines Westeuropäers. Trankovits sieht in unseren westlichen Demokratien bereits heute besorgniserregende Fehlentwicklungen. "Wer Demokratie missversteht als ein System, in dem immer alle überall mitbestimmen und partizipieren können, bedroht das Funktionieren und die Effizienz in Gesellschaft, Staat und Wirtschaft." sagt der Autor.

Im Weiteren beschreibt Trankovits den Ist-Zustand-Deutschlands, geht auf die verunsicherte innerdeutsche Gesellschaft ein und hält uns somit einen Spiegel vor unsere Augen. Gerade dieses Kapitel V. halte ich für einen sehr ehrlichen zu Papier gebrachten Blick auf unser Land. Vielleicht ist dies auch nur mit einem gewissen Abstand möglich, der Autor lebt gegenwärtig in Südafrika.

Dann wird Laszlo Trankovits sehr konkret und spricht Wahrheiten aus, denen wir von Jahr zu Jahr näher kommen. Er beschreibt den großen wirtschaftlichen Erfolg solcher Diktaturen wie China und Russland und scheut sich nicht vor der Frage: "Von den Chinesen lernen?"

Um eines klarzustellen: Laszlo Trankovits fordert kein neues China zwischen Oder und Rhein. Aber mit seinen provokanten Thesen und Visionen will er zum Nachdenken über unsere Demokratie auffordern. Dazu gibt er sehr konkrete Hinweise auf Fehlentwicklungen und macht brauchbare Vorschläge für eine Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Laszlo Trankovits legt nicht eines der vielen zur Zeit auf den Markt strebenden gesellschaftskritische Bücher auf den Tisch, die unsere Politiker schlecht machen. Trankovits schaut weiter und fordert mit realistischem Blick eben diese dringend erforderliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Frankfurter Allgemeine Buch, ISBN 978-3-899-81245-9, Preis 24, 90 Euro

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