Gabriele Weingartner:  Villa Klestiel



Villa Klestiel heißt - Leben pur!

Wer immer noch meint eine WG wäre das Vorrecht der Jungen, der sieht sich spätestens mit diesem Roman eines besseren belehrt.

Senioren, vom Lebenslauf her gesehen so unterschiedlich wie das Leben nun einmal ist, haben sich in die Villa Klestiel eingemietet. Dort leben sie so frei und unfrei wie dies nun einmal in einer WG möglich ist.

Diesen Roman in acht Kapiteln habe ich sehr genossen. Zum einen strahlt er zu Hauf Lebensweisheit aus, zum anderen aber zeigt er, dass Alte gar nicht so anders sind wie Junge. Auch sie sind mal allein, glücklich, traurig, ausweglos, witzig und Pläne schmiedend. Auch sie leben mal mit und ohne Lebenslügen für andere oder sich selbst.

Frederika, eigentlich ist sie ja nur die Schreibkraft der Villa, ermöglicht mir so manche Blicke hinter die unsichtbaren Kulissen der WG - Bewohner. Zugleich ist sie auch so etwas wie die Verbindung zum Leser und zur nächst jüngeren Generation.

Prall gefüllt mit Lebenserfahrung hat Gabriele Weingartner ihren Roman. Alte fühlen sich beim Lesen ertappt, Junge können noch so manches lernen. Interessant war für mich beim Lesen das Beobachten wie Menschen Veränderungen wahrnehmen, sei es auf privater oder politischer Ebene.

Wie dieser Roman gelesen wird und was er beim Leser auslöst wird von jeweiligen Alter des Lesers abhängen. Für mich ist die wichtigste Botschaft: Gabriele Weingartner hat mir gezeigt, nur weil ein Leben 70 oder 80 Jahre zählt, muss es längst nicht vorbei sein.

Weingartner hat ein aktuelles Thema äußerst spannend angepackt!

Limbus, ISBN 978-3-902-53450-8, Preis 19, 80 Euro

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