Margot Käßmann:  Vergesst die Gastfreundschaft nicht!

Wer ein Buch erwartet, dem sei gesagt, es sind gerade einmal schlappe 40 Buchseiten in denen sich die ehemalige Bischöfin zum Thema Migration äußert.

Eigentlich bin ich den vielen Büchern mit denen Margot Käßmann jährlich den Büchermarkt überflutet, ein wenig skeptisch gegenüber eingestellt. Mit diesem Heftchen kann ich mich schnell anfreunden, weil die Autorin sehr authentisch von sich und ihren Erfahrungen mit Ausländern berichtet.

Im Herbst 2010 war die Theologin in Atlanta in Georgia und sie machte die Bekanntschaft mit in Amerika lebenden gebürtigen Afrikanern und Asiaten. Schnell stellte sie gravierende Unterschiede im Umgang mit Migranten in Deutschland fest. Was in den USA beinah völlig normal läuft, ist in unseren Breiten immer noch die Ausnahme.

Beim Blick auf Deutschland dann kommt die Autorin wieder sehr familiär daher. Sie spricht von ihrer Familie die aus Hinterpommern stammt und gen Westen eine neue Heimat suchte und fand. Sie spricht von den Gastarbeitern die in den 60er Jahren nach Deutschland kamen und beinah unbemerkt keine Gäste mehr waren, sondern sich hier über Jahre hinweg eine Existenz aufgebaut hatten.

Zwischendurch versucht Margot Käßmann immer wieder zu überzeugen, dass die Bibel und das Christentum das Thema Migration als ihr ganz besonderes Thema ansehen. Im ganzen wirkt dieses Heft auf mich wenig strukturiert, beinah vor der Vielfalt ihrer Überlegungen ein wenig unsortiert. Die Autorin betont immer wieder die Wichtigkeit des Themas für die Theologie. Mit einem praktikablen Konzept hätte Frau Käßmann hier punkten können, leider hat sie diese Chance an dieser Stelle verpasst.

Dennoch habe ich die wenigen Seiten sehr interessiert gelesen. Sie können gut zu einer wichtigen Stimme in der Integrationsdebatte werden!

Ullstein, ISBN 978-3-550-08001-8, Preis 3, 99 Euro

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