Ulrich Schacht:  Vereister Sommer

Für den heute in Schweden lebenden Ulrich Schacht muss dieses Buch Schwerstarbeit gewesen sein. 1951 wurde er im Frauenknast in Hoheneck in Stollberg im Erzgebirge, in der damaligen DDR geboren.

In Wismar an der Ostsee ist er aufgewachsen und irgendwann erfuhr er, dass er einen russischen Vater hat. In den 90 er Jahren machte er sich auf die Suche nach ihm. Seine Mutter wollte nichts mehr davon wissen, sie wollte alles auf sich beruhen lassen. Auch sein russischer Vater wollte nicht.

Aber die Geschichte, die Schacht zu erzählen hat, artet nicht in eine seichte Familienschnulze aus, dieses Buch entpuppt sich zu einem Nachkriegsgeschichtswerk erster Güte, welches sich durch die DDR - Zeit und die Nachwendezeit zieht und dabei schonungslos offen Resümee zieht.

Dabei beschreibt Schacht auch die Geschichte seiner Mutter, schreibt wie er in Russland seine Halbbrüder trifft, gibt ein mehrseitiges Nachwendegespräch mit seinem einstigen DDR - Richter wieder, der heute katholisch ist.

Für mich, der ich nur wenige Jahre jünger als Schacht bin und sogar in seiner Nähe aufwuchs, war dieses Buch ein sehr ernster Spaziergang tief in die Geschichte zurück. Aber solche Spaziergänge müssen um der Zukunft Willen sein. Es gibt Leute denen geht man sicher mit solchen Geschichten auf den Senkel, aber wie im Buch zu erleben, gibt es auch Leute, die bereit zur Aufarbeitung der Geschichte sind.

 

Aufbau, ISBN 978-3-351-02729-2, Preis 19, 95 Euro

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