Sascha Lehnartz:  Unter Galliern

Schon als Jugendlicher träumte der Autor davon einmal Auslandskorrespondent in Paris zu werden. Er träumte von einer Sieben - Raum - Wohnung in schönster Wohngegend, vom noblen Dienstwagen und erwachte 20 Jahre später als Auslandskorrespondent in Paris in der Realität.

Allerdings war allein die kleine Wohnung eine Katastrophe. Mit seiner Frau zusammen versuchte er zwischen Weihnachten und Neujahr aus dem heruntergekommenen Loch wieder eine Wohnung werden zu lassen, um dieses Vorhaben dann doch wieder aufzugeben und Profis damit zu beauftragen.

Humorvoll und im freundlich - dahinplätschernden Plauderton erzählt Sascha Lehnartz aus seiner Zeit in Paris. Pariskenner und Parisfreunde werden ihre Freude an diesem Buch haben und oftmals sagen: Ja, genau so ist es!"

"Französische Fahrkartenautomaten sind wie die Franzosen: plauderhaft, umständlich und chauvinistisch."

Lehnartz nimmt den Pariser liebevoll aufs Korn. Er beleidigt ihn nicht, aber bezweifelt hin und wieder den Sinn ihres Tuns. Deutliche Unterschiede macht er beispielsweise im Straßenverkehr aus. Seiner Meinung nach, unterscheidet sich der deutsche Autofahrer vom französischen wie Tag und Nacht. Und will man sich die Hauptstadt ansehen, sollte man sich nicht auf die Suche nach einem Taxi machen:

"Es ist einfacher, in Kandhar einen Minirock zu finden als ein Taxi in Paris."

Selbst am Eifelturm hat der nörgelnde Deutsche etwas herumzunörgeln. "Viagra für die Volksseele" wird er hin und wieder genannt. Auch die Bakanntschaft des Autors mit dem Baguette seines Lebens liest sich amüsant und verrät bei allem Genörgel bereits viel von der Verliebtheit des Autors in die Stadt Paris.

"Paris hat einen großen Vorteil gegenüber Berlin. Es ist viel wärmer."

Die Geschichten in diesem Buch sind eine Sammlung von Jahren. Sie zeigen vor Allem den in Paris verliebten Lehnartz, dem es gelingt Pariser Charme in deutsche Lesesessel zu transportieren. Er macht neugierig auf Paris auch wenn man ihn selbst dort heute nicht mehr antrifft.

 

Ullstein, ISBN 978-3-550-08852-0, Preis 16, 99 Euro

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