Paul Harding:  Tinkers

Die letzten Lebenstage des George Washington Crosby hat Paul Harding in seinem Buch eindrucksvoll, bisweilen sogar ein wenig humorvoll geschildert.

Da liegt George, nicht immer klar bei Verstand, mitten in seinem Wohnzimmer in einem Krankenhausbett und seine Lieben sind um ihn herum. Er weiß das es Zeit ist und seine Gedanken gehen immer wieder zurück in seine letzten Lebensjahrzehnte.

Er hat sich und seiner Familie ein Haus gebaut. Jetzt sieht er es in seinen schlimmsten Träumen auf sich einstürzen.

Aber er sieht auch seinen eigenen Vater wieder. Als George ein kleiner Junge war, zog sein Vater als Tinker, als Kesselflicker durch die Lande und versuchte auf diese Weise ein wenig Geld in die immer leere Familienkasse zu bringen. Der Kesselflicker war Epileptiker und wenn er seine Anfälle bekam, ängstigte sich seine Frau vor ihm und wollte, dass er in eine psychiatrische Anstalt ging. Eines Tages verschwand der Vater. Viel später, als George selbst Vater war, tauchte der Kesselflicker bei seinem Sohn auf, er wollte ihn einfach nur einen Moment wiedersehen. George hatte inzwischen zwei Töchter, der Vater wollte nicht bleiben, nur einmal noch nach seinem Sohn schauen. Der kurze Besuch und das Buch enden mit den Worten des Vaters: "Auf Wiedersehen."

Diese Vater - Sohn - Beziehung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und ist eine sehr gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte, die eigentlich nie richtig gelebt wurde. Deutlich höre ich die Sehnsucht des Sohnes nach seinem Vater. Allein diese Geschichte wäre das Buch wert gewesen!

Aber Harding beschreibt noch viel mehr aus der Vergangenheit Georges und aus der Gegenwart. Amüsant die auf mehreren Seiten ausgebreitete Rasierszene. Der Enkel rasiert seinen Großvater und bei aller Vorsicht schneidet er ihn doch. Nicht tief, aber es blutet halt. Ein Pflaster hilft bei dieser Wunde.

Alle Lebenswunden sind nicht so leicht zu heilen. Auch wenn Paul Harding einen Roman über das Sterben geschrieben hat, handelt er doch zuerst vom Leben und auch von verpassten Chancen!

Luchterhand, ISBN 978-3-630-87367-1, Preis 19, 99 Euro

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