Rocko Schamoni:  Tag der geschlossenen Tür

 

Hamburger Charme, ein wenig wehleidig, aber dennoch auch Humor besitzend - so treten dem Leser die Herren Rocko Schamoni und Michael Sonntag in diesem Buch entgegen. Wem das ein wenig widersprüchlich erscheint, dem kann ich nicht widersprechen, aber so sind die Tatsachen.

Der eine kommt als Autor des Buches daher, der andere als schräger Typ, manchmal ein wenig neben seinen Schuhen stehend - und ich mittendrin frage mich: Wieviel steckt wohl vom Autor in der Person des Michael Sonntag?

Der Protagonist verliebt sich in eine Handyverkäuferin, schreibt ihr sogar, obwohl er sonst im Leben oft kneift. Er ist sicher nicht das, was als Überflieger oder Erfolgsmann bezeichnet wird, aber er hat dem Leser wertvolle Ansichten über das Leben im allgemeinen und im speziellen vorzutragen. Mich haben seine Aussichten oftmals überrascht, aber unsinnig waren sie nie.

Selbst ein Buch hat Michael Sonntag geschrieben, leider will der Taschenbuchverlag es nicht haben. Frau Gerster vom Verlag teilt ihm die Ablehnung des Verlages freundlich, aber bestimmt mit. Und was tut Michael Sonntag? Er zieht nicht etwa den Kopf zwischen die Schultern oder schickt das Manuskript an den nächsten Verlag weiter, nein, Michael Sonntag schreibt an Frau Gerster zurück. Er fragt sie, ob sie nicht schon mal den Standardvertrag an ihn schicken will, ja er bietet ihr sogar ein Treffen ganz privat an . . .

So voller Ernst und Komik lernen wir Michael Sonntag kennen und der Leser kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Ich habe mich sehr über Herrn Sonntag amüsiert und irgendwie ist er mir auch ans Herz gewachsen. Bei meinem nächsten Hamburgausflug werde ich meine Augen nach ihm offenhalten, er gehört zu den Typen die ich gern kennenlernen würde.

 

Christian  Döring

 

Piper, ISBN 978-3-492-05421-8, Preis 16, 95 Euro

Nach oben