Karl Ove Knausgard:  Sterben

Wer sich auf dieses atemberaubende Buch einläßt, der sollte wissen, dass es der 1. Band einer Reihe von 6 geplanten Büchern ist. Das erste zumindest hat es in sich.

Verschweigen will ich es nicht, dieses Buch macht es dem Leser nicht ganz einfach, verlangt ihm einiges an eigener Aufarbeitung ab. Recht bald habe ich bermerkt, dass der Erzähler einen gewaltigen Familienroman vor mir ausbreitet. Von Seite zu Seite dringt der Leser mit Hilfe von Knausgard immer tiefer in seine Vater - Sohn - Beziehung ein, lernt sehr viele Personen kennen und liest auch immer wieder Texte aus der Bibel.

Keineswegs will der Erzähler missionieren, aber er benutzt sehr geschickt biblische Texte, um mit ihrer Hilfe über das Leben an sich und innerhalb einer Familie im speziellen nachzudenken. Zusammen mit seinem Bruder ordnet der Erzähler den Nachlass seines Vaters. Der ist tot und die beiden Brüder beginnen Resümee zu ziehen. Die Beziehungen zum Vater waren nie einfach. Auch nach dem Tod ist der Vater noch immer allgegenwärtig. Von Karl Ove Knausgard fühle ich mich sehr angesprochen. Ich lese von seiner Vater - Sohn - Beziehung und denke über meine nach.

Ebenso spannend ist die Länge des Buches und dem, was noch an Folgebänden kommt. Ich hoffe sehr, dass viele Leser sich die Zeit nehmen über zwischenmenschliche Beziehungen nachzudenken. In der Gegenwart fehlen oft Zeit und Raum für solche wichtigen und notwendigen menschlichen Bedürfnisse. In diesem Buch lerne ich wie es geschehen kann. In diesem Sinne ist dieses Buch ein Denkmal,das hoffentlich fest steht, um dem Strom der Zeit der leider in die andere Richtung fließt standzuhalten.

Der Autor nimmt mit seiner Geschichte und mit seiner Art des Erzählens gefangen, mir gefällt sie sehr gut. Ich habe für dieses Buch mehr Zeit als im Normalfall gebraucht, aber die Zeit war gut investiert. Ich freue mich auf die Folgebände.

 

Luchterhand, ISBN 978-3-630-87351-0

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