Ruth Hoffmann:  Stasi-Kinder

Als jemand der die DDR - Zeit politisch sehr bewusst miterlebt hat, bin ich immer wieder aufs Neue darüber verwundert wie erschrocken ich darüber bin, dass mich diese Themen noch immer so aufwühlen. Damals stand ich auf der Seite derer die von der Diktatur des Proletariats drangsaliert wurden, heute lese ich von den Kindern derer die für das Drangsalieren Mitverantwortung getragen haben.

Ohne Wut, dafür aber mit ehrlicher Betroffenheit habe ich das Buch gelesen. Vieles von dem was ich las war bekannt. Dennoch ist es wichtig noch einmal aufgeführt zu werden. Viel zu wenig wurde bislang danach gefragt: Wie haben es eigentlich die Kinder der Stasileute erlebt? Was hat es den Kindern bedeutet, dass die Eltern Spitzel waren? Was hat allein diese Tatsachen mit ihnen gemacht? Wie hat sie ihr Leben beeinflusst?

Sachlich, in aller Offenheit reiht Ruth Hoffmann ihre Fakten aneinander. Es berührt wenn heute Erwachsene mit ihren Kindern die Orte besuchen an denen sie vor 30 oder 40 Jahren DDR - Geschichte erlebt haben und heute davon berichten. Vieles kommt beim Lesen noch einmal hoch und wird zum Teil mit anderen Augen gesehen, entschuldigt wird nichts.

Höre ich mich heute in Gymnasien zum Thema DDR - Vergangenheit um, bin ich oft über die Unwissenheit von Schülern und auch Lehrern verzweifelt, auch darüber wie verdreht DDR - Geschichte heute oft präsentiert wird. Schon allein aus diesen Gründen war es wichtig und richtig, dass Ruth Hoffmann ihr Buch auch nach so vielen Jahren noch geschrieben hat!

Propyläen, ISBN 978-3-549-07410-7, Preis 19, 99 Euro

 

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