Paul Murray:  Skippy stirbt

In den engen Grenzen der ältesten katholischen Jungenschule des ganzen Landes trifft der Leser auf Skippy und auf Ruprecht Van Doren. Beide Schüler teilen sich ein Zimmer in dem alten Gemäuer.

Viele Gestalten und Charaktere treffe ich beim Lesen. Anfangs irritieren sie mich ein wenig, aber je mehr ich mich von dem grandiosen Erzähler Paul Murray treiben lasse, um so mehr versinke ich in dieser Geschichte, ja ich werde ein Teil von ihr. Große Themen sind die Zeit, ihre Vergänglichkeit und oftmals auch die kleinen täglichen Revolutionen, die früher oder später scheinbar doch wieder von der Zeit gefressen werden.

Von meinen beiden Lieblingsgestalten will ich ein wenig in meiner Rezension berichten. Die beiden Jungen sind so unterschiedlich wie man nur sein kann. Ruprecht, die Intelligenzbestie träumt davon wie ihm später einmal der Nobelpreis verliehen wird, bereits heute baut er an Apparaturen um mit Außerirdischen in Kontakt zu treten.

Skippy dagegen hat Schwierigkeiten mit dem Mittelmaß der Leistungen seiner Klasse mitzuhalten. Er kotzt mitten in den Klassenraum und traut sich später am Telefon nicht seinen Dad zu fragen, ob er bereits am kommenden Wochenende nach Hause zu Besuch kommen darf.

Gern flieht Skippy nach Hopeland. Abends philosophieren beide Jungs im Bett liegend über Gott und die Welt, über sich selbst, die Lehrer und Skippy will wissen ob man die Zukunft anhalten kann.

Wertesysteme prallen in diesem Buch mit aller Macht aufeinander, die oftmals nicht gut tun, jedoch die reale Gegenwart beschreiben. Pater Green, der Lehrer bei dem sich Skippy übergeben hat, lebt nach dem Vorsatz: "Die Jungen brauchen jemanden, der ihnen Angst macht!" Diese verschiedenen Welten, meine ich, die in diesen drei Büchern aufeinander krachen.

Skippy und Ruprecht sind die moderne Übersetzung von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Zurückblickend ist die Zeit und die Geschichte für Tom und Huck viel einfacher und lässt mehr Luft zur Entfaltung. Skippy und Ruprecht haben es viel schwerer, aber auch sie haben sich beide und meistern ihre Zeit, dies ist das verbindende Element zu Tom und Huck und dieses verbindende Element sollte die Zeit nicht fressen dürfen.

Die drei Bände im schmucken Schuber zähle ich zur zeitlosen Literatur. In poetischer Sprache, mit herrlichen Dialogen, weiß Paul Murray seine Leser zu fesseln.

 

Christian  Döring

 

Kunstmann, ISBN 978-3-88897-700-8, Preis 26, 00 Euro

Nach oben