Eva Scala:  Schmetterlinge jagen

Rau und herzlos schubst die Autorin mich in ihrem Roman in die harte Lebenswirklichkeit. Sie beginnt mit dem Tod und der Beerdigung des Familienvaters, der vielleicht den größten Teil seines Lebens Firmenchef, bestenfalls auch regierendes Familienoberhaupt war. Wohlsortiert und im Sinne der Firma beantwortet, hinterlässt er alle Erbschaftsfragen.

Und obwohl alles gut geordnet scheint, ist es dies doch nicht. Der Alte hinterläßt eine Lücke. Egal ob er gefürchtet oder geliebt wurde, er hinterläßt eine Lücke, die von jedem Standort aus anders beschrieben werden könnte. Einiges davon erfahre ich bei Eva Scala.

Sie zeigt mir mit ihrer Geschichte auch, dass es eigentlich um etwas völlig anderes geht. Da bin ich selber, da sind Verpflichtungen und da ist unter anderem Ernest, der Sohn des Verstorbenen. Symbolhaft steht er für mich da. Ein Leben lang ist Ernest auf der Suche nach Liebe. So wie wir alle wird Ernest von Liebe getrieben, wenn er sie findet, weiß er nicht recht mit ihr umzugehen, aber gibt es in dieser Frage überhaupt ein richtig und ein falsch?

Die Autorin, einst Pädagogin und Psychotherpeutin, führt ihre Leser mit ihrer Geschichte zum eigenen Leben. Irgendwann beim Lesen, den Zeitpunkt kann ich nicht einmal genau angeben, wurde mir die Handlung unwichtig, ich hab mich beim Lesen immer mehr mit meinem eigenen Leben beschäftigt. Dies ist keineswegs eine Kritik an der erdachten Handlung, vielmehr höchstes Lob für die Autorin.

Immer wieder bringt Eva Scala mich mit ihren philosophischen Einschüben zum Nachdenken über das Leben. Was ist wirklich wichtig? Die liebe Frau an meiner Seite? Das große Geld? Das Landhaus?

Die Autorin ist unbequem, sie hört nicht auf mit ihrem Anstacheln zum Nachdenken. Der Schluß ihres Romanes gefällt mir nicht. Melancholisch, so als hätte er etwas verpasst, steht Ernest am Ende da.

Es tut gut dieses Buch zu lesen, aber gleich danach weg mit ihm, das Leben soll ganz einfach beginnen. Was wir aus diesem Buch lernen können? Lass öfter mal Dein Herz sprechen!

Sisyphus, ISBN 978-3-901960-57-4, Preis 14, 00 Euro

 

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