Robert Knapp:  Römer im Schatten der Geschichte

Dieses hier vorliegende Geschichtsbuch fällt ein wenig aus dem gewohnten Rahmen, weil es die Menschen ins Visier nimmt, die bestenfalls Randfiguren sind, wenn es um die Darstellung geschichtsträchtiger Ereignisse im Römischen Reich geht.

Nach seiner kurzen Einführung ins Thema widmet der Professor für Alte Geschichte Robert Knapp jeder Gruppe ein eigenes Thema:

In der Mitte: Gewöhnliche Männer

Ein eigenes Leben: Gewöhnliche Frauen

Kampf ums Überleben: Die Armen

Ein Dasein in Knechtschaft: Sklaven

Nach der Sklaverei: Freigelassene

Ein Leben in Waffen: Soldaten

Käufliche Liebe: Prostituierte

Ruhm und Tod: Gladiatoren

Jenseits des Gesetzes: Banditen und Piraten

Auf die soziale Stellung einer Gruppe, aber auch auf ihre Größe geht der Autor ein. Inwieweit war es beispielsweise möglich als gewöhnliche Frau in einer von Männern beherrschten Welt das eigene Leben selbst zu bestimmen? Mit Zitaten von Zeitgenossen und einer Fülle von Beispielen werden Knapps Texte lebendig.

Interessant ist es beim Lesen darauf zu achten, wo diese Gruppen Berührungsängste hatten und wo sie sich, zumindest offiziell, stark voneinander abgrenzten. Wer wurde beispielsweise in einen Beruf gezwungen? Wer wurde freiwillig Hure oder Bandit? Wo verbrachten diese Menschen ihren Lebensabend?

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Buch wurde von Robert Knapp gut vermittelt. Der Historiker wagt den Vergleich der hier beschriebenen Menschen mit dem Normalvolk heute. Damals wie auch heute ist das Ziel möglichst gut durch das irdische Leben zu kommen. Da ist es beachtlich wie gut 99 Prozent der Bevölkerung des Römischen Reiches dies schaffen.

Robert Knapp ermöglicht mit seinem Buch einen neuen Blick auf das Leben im Römischen Reich und er schlägt die Verbindung zur Gegenwart, besser geht es nicht!

Klett - Cotta, ISBN 978-3-608-94703-8, Preis 24, 95 Euro 

 

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