Robert Gerwarth:  Reinhard Heydrich

Reinhard Heydrich ist bis zum heutigen Tag eine der schillernden Persönlichkeiten, die im Dritten Reich Karriere gemacht haben. Mit 38 Jahren wurde er bei einem Attentat durch tschechische Fallschirmagenten getötet. Der Historiker Robert Gerwarth schaut nach über sieben Jahrzehnten erneut auf die Gestalt Heydrichs und zeigt auf beeindruckende Weise wie er im nationalsozialistischen Terrorstaat Karriere machen konnte.

Interessanter Weise beginnt Gerwarth mit dem Tod Heydrichs in Prag (1942), erst dann schaut er sich die Familie Heydrichs an und geht intensiv auf die Person des Reinhard ein.

Was dann folgt ist meines Wissens die erste solide recherchierte Abhandlung über den sogenannten "bösen Todesgott" Reinhard Heydrich, die wohl selbst wissenschaftlichen Ansprüchen stand hält.

Mich beeindruckt beim Lesen ganz besonders wie der junge Gerwarth, er ist um Jahre jünger als Heydrich, jenseits allem Hass oder Vergötterung immer wieder versucht hinter das Rätsel der Person Heydrich zu kommen. War Reinhard Heydrich wirklich der gefühlskalte, ideologisch desinteressierte Manager des Genozids ? Oder müssen wir nach dem Studium aller heute zur Verfügung stehender Quellen unser Heydrich - Bild reformieren ?

Robert Gerwarth hat das Heydrich - Bild eindrucksvoll neu entworfen. Er zeigt sehr genau, dass der Organisator der "Endlösung der Judenfrage" nicht als das gefühlskalte Monster geboren wurde!

Eine spannend geschriebene Biographie für alle Geschichtsfreunde!

Siedler, ISBN 978-3-88680-894-6, Preis 29, 99 Euro

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