Kurt Langbein:  Radieschen von oben

authentisch, weil selbst durchlebt

Kurt Langbein ist mir seit Jahren ein wohlbekannter Autor. Besonders durch seine "Bitteren Pillen" hat er gezeigt, dass er sein Metier beherrscht und imstande ist auch, wenn es darauf ankommt, hinter die Kulissen unseres Gesundheitswesens zu schauen und vor allem es auch zu durchschauen.

Da erscheint es fast unglaublich, dass ausgerechnet dieser Autor an Krebs erkrankt und sich Monate lang mit seinem Tod konfrontiert sieht. Diese Erfahrung teilt der Rezensent mit dem Autor des Buches, ist also schon mal parteiisch und ich kann Langbeins "sehnlichen Wunsch, alles hinauszuschreien, was man als von Krebs Betroffener erleidet, erlebt, spürt, erdulden muss" sehr gut verstehen.

Einem Tagebuch gleich hat Langbein alles festgehalten. Ende 2008 hört er seinen Urologen von seinem Prostatakarzinom reden und auch davon, dass alles "komplett unter Kontrolle" sei.

Dieses Buch besticht nicht in der Aufzählung von der Einhaltung medizinischer Maßnahmen die Ergriffen wurden, um den Patienten Kurt Langbein am Leben zu erhalten. Ich lese besonders aufmerksam die Textpassagen, an denen Langbein nur einfach Mensch ist und existentielle Ängste zu überstehen hat: "Prostatakrebs mit 55? Warum ich? Warum jetzt?"

Das traute familiäre Weihnachtsfest erlebt Kurt Langbein 2009 auf einer Gynäkologenliege. Ein Arzt vermisst in Langbeins Darm die Wege die nach der Beendigung der Strahlentherapie . . . All das ins Detail gehende schildert der Autor und immer wieder auch sehr genau was diese Krankheit mit ihm und aus ihm macht. Langbein reflektiert sich, sein Leben, beobachtet alte Freunde auch neue. Es ist ein jahrelanger Weg bis sich der Autor nun beinah sicher sein kann, die Radieschen noch eine ganze Weile von oben sehen zu können.

Unbedingte Lesempfehlung!

Ecowin, ISBN 978-3-711-00024-8, Preis 21, 90 Euro

 

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