Outi & Lee

 

Christian Döring:  Seit wann gibt es Euch als Gesangsduo und was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Ihr beide Eure gemeinsame Sängerkarriere gestartet habt?

 
Outi & Lee: Wir haben uns im August 1987 bei einem Christian Artists Europe Festival in Holland kennen gelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dreieinhalb Monate später waren wir verheiratet. Zu der Zeit hatte Outi in Finnland schon jahrelang professionell als Sängerin in verschiedenen christlich orientierten Formationen gearbeitet. Lee war begeistert davon, als Outi von ihren Erlebnissen in dem Zusammenhang erzählte. Er war zu der Zeit Student und er hatte nebenbei in einer christlichen Garagen-Rockband gespielt. Wir beide hatten es total am Herzen, die Botschaft Jesu in Form von Musik zu verbreiten. Wie das ganz praktisch funktionieren sollte, wussten wir natürlich nicht. Im Gegensatz zu Finnland, gab es in Österreich zu der Zeit keine jugendgemäße christliche Musikszene. Außerdem dachten wir ohnehin nicht daran, in erster Linie Musik für Christen zu machen. Wir wollten die Gospel-Botschaft hinaustragen an Orte, an denen man sie sonst nicht hörte. Wir beteten dafür und vertrauten darauf, dass es klappen würde, wenn es in Gottes Plan passt. Lee konnte sein Studium rasch abschließen und dann begannen wir damit, Konzerte zu geben. Es ist erstaunlich, wie viele Dinge damals zusammen spielten, dass wir zu einigen interessanten Auftritten kamen.
 
 
Christian Döring:  Vielleicht passt Ihr ja in Gottes Plan! Was meint Ihr, was habt Ihr beide der Welt zu geben?
 

Outi & Lee: Das schöne ist, dass jeder in Gottes Plan passt! Sein Reich ist wie ein großes Puzzle, das er zusammenbaut. Nicht als ein statisches, sondern als ein lebendiges Bild, welches sich immer weiter bewegt. Aus Liebe hat Gott jeden Menschen einen freien Willen gegeben. Er zwingt uns nicht und presst uns nicht einfach als wehrlose Puzzlestücke an den Platz, wo er uns haben möchte. Jeder Mensch ist individuell von Gott geschaffen. Der beste Platz für mich ist der, den Gott für mich vorbereitet hat. Was haben wir der Welt zu geben? Wir dürfen der Welt das weitergeben, was wir von Gott empfangen haben. Jesus hat uns allen den Auftrag gegeben, seine frohe Botschaft zu verbreiten. Gott gibt uns viele verschiedene kreative Möglichkeiten, wie wir das tun können. Musik ist ein wunderbares Werkzeug. Wir lieben Musik und sie ist für uns persönlich wie Medizin. In all den Jahren haben wir schon oft erleben dürfen, wie Gott auch durch unsere Musik Menschen begegnet ist. Es ist ein riesengroßes Vorrecht, dass wir diese Arbeit tun dürfen. Natürlich ist Musik nicht unser ein und alles. Wir möchten bereit sein, auch andere Dinge zu tun, wenn Gott uns in eine andere Richtung führt. Es geht nicht darum, dass wir große Dinge tun, sondern dass wir in den kleinen Dingen treu sind. Wir möchten so authentisch, natürlich und  transparent wie möglich sein.

 

Christian Döring:  Wenn ich in Eure aktuelle CD hineinhöre, fällt mir sofort sehr angenehm das in sich ruhende Element auf. Ich kann diese CD gleich Morgens nach dem Aufstehen und auch Abends beim Glas Wein hören, immer fühle ich mich angenommen und bei Gott zu Hause. Diese Freiheit die Ihr da besingt, zu der müssen wir täglich neu ja sagen. Erreicht Ihr mit Eurer Musik auch Leute, die von dieser Art Freiheit noch nie etwas gehört haben?

 

Outi & Lee:  Averell Dalton würden an der Stelle sagen: „Das hast Du aber schön gesagt, Joe!“ Spaß beiseite. Es freut uns sehr, wenn Du unsere CD so erlebst! Wir selbst brauchen immer wieder Entschleunigung in unserem Alltag. Die Freiheit in Jesus ist wirklich die gewaltigste Freiheit, die ein Mensch erleben kann. Auch wir möchten dazu täglich neu ja sagen. Mit Gottes Hilfe können wir tatsächlich immer wieder Leute mit unserer Musik erreichen, die von dieser Art von Freiheit noch nie etwas gehört haben. Vor ein paar Tagen bekamen wir eine E-Mail. Darin stand: „Ich wurde von einem Freund auf ein Konzert mitgeschleppt und war wirklich beeindruckt. Beeindruckt wie ihr die Massen bewegt habt, beeindruckt was eure Musik und eure Message in mir, einen damals völlig Ungläubigen, geweckt hat.“ Wir spielen ja an den unterschiedlichsten Auftrittsorten. Kurz nach dem Erscheinen unseres aktuellen Albums hatten wir einen Auftritt in einem Gefängnis. Fünf Gefangene fragten uns am Schluss, ob wir CDs hätten. Sie wollten unbedingt eine haben. Es hat uns damals tief bewegt, dass nun unsere CD mit dem Titel „Freiheit“ im Gefängnis gehört wurde. Aber natürlich gibt es auch in der so genannten Freiheit Menschen, die innerlich gefangen sind. Letztendlich brauchen wir alle Befreiung. „Ihr seid ja zur Freiheit berufen, liebe Geschwister! Nur benutzt die Freiheit nicht als Freibrief für euer eigensüchtiges Wesen, sondern dient einander in Liebe.“, schreibt Paulus im Galaterbrief 5:13.

 

Christian Döring: Wie kam es dazu, dass Ihr im Gefängnis Konzerte gebt?

Outi & Lee: Josef Reiter, ein Polizist der in unserem Dorf wohnt, organisiert schon jahrzehntelang christliche Veranstaltungen in Justizanstalten. Bereits Ende der Achtzigerjahre hat er uns gefragt, ob wir Konzerte in Gefängnissen spielen möchten. Seit damals sind wir immer wieder im Knast. Kurz nach der Wende waren wir z.B. im berüchtigten „Gelben Elend“ in Bautzen in Ostdeutschland. Dort hat ein Gefangener ganz plötzlich angefangen, zu randalieren, konnte aber von seinen Sitznachbarn beruhigt werden. Am Ende des Konzertes kam er zu uns und hat sich für das Konzert bedankt. Insgesamt erleben wir meistens gute Reaktionen in den Gefängnissen. Wichtig ist, dass Leute für unsere Auftritte beten. Nicht nur für die Auftritte in Justizanstalten. Es ist schon vorgekommen, dass wir kurz aufeinander folgend Konzerte in Gefängnissen und in christlichen Gemeinden hatten. Wir mussten da und dort feststellen, dass die Stimmung beim Konzert im Gefängnis besser war als vor dem christlichen Publikum. Es ist natürlich ein Geschenk Gottes, wenn das gelingt. Gottes Geist allein kann die Herzen wirklich berühren. Wir sehen so oder so nur das Äußere. Es ist wichtig, dass wir uns nicht zu sehr vom Sichtbaren beeinflussen lassen. Jesus sieht, was wirklich im Innersten jedes einzelnen Menschen abgeht. Er kann aus der Finsternis ins Licht führen. Bei ihm gibt es keinen hoffnungslosen Fall. „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr“, sagt Jesus in Lukas 5:32.

 

Christian Döring: Ihr beide feiert mit der Bühne bald Silberhochzeit, geht danach alles so weiter wie bisher, oder gibt es für Euch ein Leben nach der Musik?

 

Outi & Lee: Christian, Du hast wirklich gute Fragen! So Gott will und wir leben, werden wir die Silberhochzeit mit der Bühne mit großer Freude feiern. Wir sind sehr dankbar, dass Gott uns all die Jahre treu durchgetragen hat. Als Freiberufler dürfen wir völlig unabhängig sein von Musikindustrie, Agenturen, Firmen, Organisationen, Kirchen. Niemand kann uns unter Druck setzen. Wir können eigene Entscheidungen treffen und fühlen uns in erster Linie Gott direkt verantwortlich. Kein Chef, kein Management, kein Verlag, keine Kirchenleitung kann uns auch nur irgendetwas vorschreiben. Diese Freiheit ist ein großes Vorrecht und heutzutage sehr selten. Natürlich ist damit eine große Verantwortung verbunden. Viel mehr als auf die Silberhochzeit mit der Bühne freuen wir uns natürlich auf unsere persönliche Silberhochzeit! Nach fast fünfundzwanzig Jahren noch immer bis über beide Ohren ineinander verliebt zu sein, ist ein riesengroßes Geschenk. Wir sind nicht stolz darauf, sondern einfach dankbar! An der Stelle werden wir einen Moment ganz still. Viele liebe Freunde haben in ihren Ehen Schiffbruch erlitten. Wir sind nicht besser als sie. Die zerstörerische Macht der Finsternis versucht Beziehungen auf eine derart feine Art zu (zer)stören, dass man es oft selbst sehr lange nicht bemerkt. Davor sind auch wir nicht gefeit. Vorbeugen ist besser als heilen. Es ist immens wichtig, dass unsere Ehe kompromisslos auf dem Felsen Jesus Christus gegründet bleibt, und dass wir einander helfen, dass keiner von uns beiden auf Individualismus, Egotrip und Selbstverwirklichung abfährt. Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit ist uns vor Gott, in unserer Ehe und mit guten Freunden sehr wichtig.

Nun zum zweiten Teil Deiner Frage. Ob es für uns ein Leben nach der Musik gibt? Das ist wirklich in Gottes Hand. Ende 1995 wurde Outi nach einer Albanien-Tour, ausgelöst durch eine Lebensmittelvergiftung, plötzlich sehr schwer krank. Sie musste insgesamt sieben Monate im Krankenhaus verbringen und wir hatten mit unseren Konzertauftritten eineinhalb Jahre Zwangspause. Es war eine beinharte Zeit. Outi war angekettet an Infusionen, sozusagen eingesperrt in ein Gefängnis. Dennoch war es gewaltig zu sehen, wie Jesus Outi durch dieses Tal durchgetragen hat. Von daher wissen wir auch, wie ein Leben ohne Konzerte ausschaut. Umso dankbarer dürfen wir heute sein! Dankbar für alles! Am Ende bleibt uns nur noch mit Johann Sebastian Bach zu sagen: "Soli Deo Gloria!"  -  Allein Gott die Ehre!"

Christian  Döring: Ich bedanke mich ganz herzlich für das sehr schöne Gespräch mit Euch und ich wünsche Euch für Eure Zukunft Freiheit und Gottes Segen!!!

 

 

 

 

 Diese CD kann direkt bei Outi & Lee für 16 Euro (plus Porto) erworben werden. In der Linkliste steht der Link zur entsprechenden Seite.

 

 

Nach oben