Carmen Bregy:  Nicolas schläft

Das Cover ist grottenschlecht und ich kann es nicht in eine Beziehung zum Inhalt des Romans bringen. Der Roman an sich ist kurz und bündig, die Geschichte traurig, wird aber allzu oft durch einen Blick in die Gegenwart bestätigt.

Und doch ist die Geschichte, die Carmen Bregy aufgeschrieben hat, ein Meisterwerk. Die Bestsellerlisten wird sie damit nicht erstürmen, weil das Thema so schwer ist und ihre Sprache sehr viel Aufmerksamkeit vom Leser erfordert. Man kann diesen Roman nicht im Schnellzug einfach mal so überfliegen, man muss sich Zeit für ihn nehmen.

Für den Helden der Geschichte nimmt sich niemand Zeit. Nicolas ist neun, wird von Ängsten geplagt, spricht nicht viel, lebt scheinbar in einer anderen Welt. Er hat sich sozusagen verkrümelt in sich selbst, nachdem seine Eltern den Draht zu ihm verloren haben.

Wie gesagt, ein schweres Thema und die Autorin benutzt eine umwerfende Wortwahl und Detailtreue, die all die Geschehnisse im Buch noch einmal unterstreichen. Dies erschwert hin und wieder ein schnelles Lesen, aber Zeit ist eben das große Thema der Carmen Bregy.

Das Faszinierende an diesem Roman ist für mich: Nicolas steckt nicht den Kopf in den Sand, er gibt nicht auf, er erwartet noch etwas vom Leben.

Carmen Bregy hat mit Nicolas einen stillen und kraftvollen Helden erschaffen, der erwachsenen Lesern Mut macht!

Limbus, ISBN 978-3-902-53453-8, Preis 15, 90 Euro

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