Ursula Priess: Mitte der Welt

Heute lebt Ursula Priess mitten in Deutschland, mal in Berlin, mal in Norddeutschland. Einen Teil ihres Lebens verbrachte sie mit der Suche nach der Mitte der Welt und strandete dabei in Istanbul. Was sie dort erlebte hat sie nun aufgeschrieben.

Ein zusammenhängender Roman ist es nicht geworden. Das Buch ähnelt einer Sammlung von Gedankensplittern, aber auch Beschreibungen von Erlebtem. All diese Puzzleteile ergeben ein buntes, manchmal melancholisches vor allem aber neugierig machendes Bild der Riesenmetropole Istanbul.

In dieser Stadt, so meinen manche, könne man das Geld auf der Straße einsammeln. Sind diese Gestrandeten dann in der Realität angekommen, bleiben sie oft und verstärken das Heer der Armen.

Scheinbar ist in Istanbul alles möglich. Ursula Priess beschreibt europäische und orientalische Seiten der Stadt am Bosporus. Überrascht hat sie mich mit "drei Finger dick" Schnee, den sie mehrmals in Istanbul gesehen hat. Aber auch von Begegnungen mit Menschen schreibt sie. So saß sie im achtzehnten Stock eines Hotels mit deutschen Frauen zusammen, die zum Teil seit vielen Jahren in Istanbul leben. Hier sind sie die Migrantinnen, einige fühlen sich auch nach Jahren noch immer als Fremde.

Es ist so, als wenn Ursula Priess mit jedem neuen Text eine neue Seite von Istanbul aufschlägt. Es ist ein sehr privates Buch geworden, selbst über ihre ganz private Liebe erfährt der Leser einiges. In diesem Buch ist die Autorin Brückenbauerin geworden und zeigt, dass auch unterschiedliches nichts Trennendes sein muss.

 

btb, ISBN 978-3-442-75299-7, Preis 19, 99 Euro

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