Frank Hofmann:  Marathon zu Gott

"Marathon zu Gott" ist glücklicherweise keins der ohnehin viel zu vielen Pilgerbücher. Vielmehr gibt der ehemalige Sternredakteur auf einem Weg von 42 Kapiteln, wohlgemerkt nicht Kilometern, Neugierigen Informationen und interessante Hintergrundinformationen zu Gottes - und Glaubenssachen.

Freimütig schildert er seinen persönlichen Werdegang den eigenen Glauben betreffend. Der kam ihm irgendwann abhanden und mit Anfang 40 begann er mit seiner Suche, beziehungsweise seinem "Marathon zu Gott".

Das für mich so faszinierende an diesem Buch ist, dass hier der Spieß einmal umgedreht wird. Nicht ein Theologe will mich vom Glauben überzeugen, sondern ein Frank Hofmann. Ein Mann, der selbst seinen Glauben verloren hatte.

"Der Weg zum Glauben bleibt Schritt für Schritt ein Abenteuer."

Der Autor hat dieses Abenteuer gewagt und wie ihm auf den 42 Stationen anzumerken ist, hat er diesen Marathon nicht bereut. Er ist Gott neu begegnet. Die vielen Fragen, die sich ihm stellten, hat er für sich beantwortet. Bei den Lesern werden die Antworten sicher variieren, aber das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, das ist das wichtige. Die hier empfohlene Strecke zu Gott ist besser als jeder theologisch gut überlegter Kurs.

"Wer sich gedanklich offen und mit ausdauerndem Willen auf die Suche begibt, wird mit dem größten denkbaren Schatz belohnt."

Das Interview mit Frau Margot Käßmann im Anhang des Buches, auf das bereits vorn auf dem Cover hingewiesen wird, hätte man sich sparen können. Dieses Buch braucht keine zugkräftige Person um den Verkauf anzukurbeln. Frank Hofmann wird wegen der Qualität seiner Botschaft ohnehin den Weg zu den Lesern finden.

Unbedingte Leseempfehlung für Leute die auf der Suche sind!

 

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06570-0, 17, 99 Euro

 

 Am 11. Juli 2011 stellt der Autor  Frank Hofmann gemeinsam mit Margot Käßmann sein Buch "Marathon zu Gott"  ganz offiziell sein Buch vor.

Ort: Haus der Evangelischen Kirche in Köln, Kartäusergasse 9 - 11

Zeit: 19. 30 Uhr

 

 

 

buecherveraendernleben hatte nun Gelegenheit Frank Hofmann einige Fragen zu stellen.

Lieber Herr Hofmann, Sie sind in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Im Buch schreiben Sie, Sie haben dann irgendwann einmal Ihren Glauben verloren. Wie ist das geschehen? Woran würden Sie Ihre Aussage festmachen?

Mein Latein- und Griechischlehrer führte mich in die Gedankenwelt der Philosophie ein – unter anderem mit einem Text aus Kants Kritik der reinen Vernunft. Das faszinierte mich mehr als jeder Gottesdienst und jedes Bibelstudium. Ich folgte dann einer philosophischen Richtung (logischer Empirismus), nach der Gott nur ein Hirngespinst in unseren Köpfen ist.

Dann ging es eine ganze Reihe von Jahren ganz gut ohne Gott. Sie haben Karriere gemacht, sogar für den Stern gearbeitet und plötzlich haben Sie sich dennoch wieder auf die Suche begeben. War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie Gott suchen?

Nein, das war mir nicht klar. Ich war eigentlich immer auf der Suche nach etwas, und meine Wiederentdeckung Gottes gibt dem Ziel meiner Suche einen Namen. Aber die Suche geht weiter, Gott ist ja nichts, was man mal eben so findet. Christsein bedeutet, in Bewegung zu sein.

» . . . in Bewegung zu sein.«  hört sich gut an, aber wie kann das in der Praxis im Alltag aussehen?

Das kann man wörtlich verstehen, als körperliche Bewegung, oder im übertragenen Sinn als persönliche Entwicklung. In vielen biblischen Geschichten begegnet uns diese Doppelbedeutung. Denken Sie an Abraham, der auf Gottes Geheiß den ganzen Nahen Osten durchquert, an das Volk Israel oder auch an Jesus, der als Wanderprediger nicht einmal eine feste Bleibe hatte. Mein Buchtitel »Marathon zu Gott« spielt auch mit diesen zwei Ebenen, die durchaus in Verbindung stehen: Durch körperliche Bewegung, etwa beim Laufen oder beim Pilgern, kann man sich auch seelisch weiterentwickeln.

Viele kommen gar nicht auf die Idee etwas zu suchen. Wie könnte man diese Menschen in Bewegung bringen?

Ich denke, dass es Fragen sind, die uns in Bewegung setzen: Was ist der Sinn meines Lebens? Nach welchem Maßstab sollte ich handeln? Auf was darf ich hoffen? Wahrscheinlich stellt sich jeder Mensch im Lauf seines Lebens diese Fragen. Viele geben sich mit naheliegenden, flachen Antworten zufrieden. Die Religionen müssen deutlicher machen, dass sie die tiefer wurzelnden Antworten haben.

Ihr letzter Satz hört sich perfekt an. Ich unterschreibe ihn sofort, aber könnten Sie bitte genau diesen Satz mit drei Beispielen in den praktischen Alltag holen, was haben die Religionen anderen Modellen voraus?

Auf dem Gebiet der Ethik ist die Weisheit der Religionen unüberbietbar – das gilt gerade im Vergleich zur Philosophie. Daraus kann man ganz konkret Maßstäbe für den Umgang mit der Umwelt, mit den Mitmenschen und für politische Prioritätensetzungen ableiten. Denken Sie nur an den Gehalt der Bergpredigt. Da steckt mehr drin als in allen Ethikbüchern und Parteiprogrammen zusammen.

 

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!
 

 

 

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