Eva Baronsky:  Magnolienschlaf

Die 23 jährige Russin Jelisaweta und die 91 jährige Wilhelmine treffen in diesem Buch aufeinander. Die junge Osteuropäerin kommt als billige Pflegekraft nach Deutschland zu Wilhelmine. Was sich für alle Beteiligten so gut anlässt, endet jedoch im Kleinkrieg.

Geschickt transportiert die Autorin die gemeinsame Geschichte der beiden Frauen in die Gegenwart und zeigt, dass längst Überwundenes längst nicht überwunden ist. Wie immer ist es auch hier: Wenn Geschichte nicht aufgearbeitet wurde, bereitet die Gegenwart Schwierigkeiten und für die Zukunft bleibt wenig Hoffnung.

Der Krieg der so lange vorbei ist, wird in diesen so unterschiedlichen Frauen plötzlich ganz aktuell und beeinflußt sogar ihr Leben. Die Eine ist erst lange nach dem Krieg geboren und dennoch ist es auch für sie ein brennendes Thema geworden. Der Krieg geht eben doch auch die später Geborenen etwas an. Dieses hier so wichtige literarisch herausgearbeitete Detail, das im Alltag oft angezweifelt beziehungsweise abgelehnt wird, bestätigt sich hier. Für diese Vorführung oder Widerlegung bin ich der Autorin sehr dankbar.

Hass - Vorurteile - Sühne - Frieden - Vergebung und Gerechtigkeit sind die großen schweren Themen von Eva Baronsky. Anschaulich und zum Teil dramatisch hat die Autorin diese Begriffe zurück in unseren Alltag geholt.

 

Aufbau Verlag, ISBN 978-3-351-03338-5, Preis 17, 95 Euro

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