Ulrich Raulff:  Kreis ohne Meister

Nun liegt der "Kreis ohne Meister" als Taschenbuchausgabe vor. Seit seinem Erscheinen 2009 erregt das Buch die Geister. Wenn man bedenkt, dass der im Mittelpunkt stehende Stefan Georges bereits 1933 verstarb, ist dies zum einen verwunderlich, schaut man allerdings ein wenig tiefer, erfährt man warum Ulrich Raulff noch immer Aufsehen mit seinem Buch erregt.

Diese erweiterte und um ein aus dem Sommer 2011 geschriebenes mehrseitiges Vorwort von Ulrich Raulff ist nicht nur für politisch oder literarisch Interessierte spannend zu lesen, durch die Art, wie Raulff hier Geschichte an den Mann bringt könnte dieses Buch auch wesentlich breitere Kreise zum Lesen animieren. Der Direktor des Deutschen Literaturarchives Marbach erzählt eine Vielzahl von Anekdoten, nicht um Skandale und Skandälchen an den Tag zu bringen, sondern um Geschichte verstehen zu lernen. Dies merkt man dem Buch an und dies tut ihm ungemein gut.

Das Vorwort des Autors wurde notwendig, weil die Geschichte nicht stehenbleibt. So ist wenige Tage vor der Erstveröffentlichung des Buches 2009 Gert Mattenklott gestorben. Die Rohfassung hatte er noch gelesen, für eine Stellungnahme lies ihm der liebe Gott keine Zeit mehr. Raulff schildert in seinem Vorwort den Einzug Mattenklotts Nachlass und wertet diesen nach seiner Sichtung als nachträgliche Unterstützung für sein hier vorliegendes Werk.

Außerdem geht der Autor auf die leidigen Vorgänge in der Odenwaldschule ein. Gerold Becker, der Pädagoge mit den zwei Gesichtern steht noch einmal im Fokus.

Oft wird Ulrich Raulff vorgeworfen, er polarisiere. Ich glaube dies auch, aber dies ist gut so, ist es einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit unserer Geschichte doch förderlich.

DTV, ISBN 978-3-423-34703-7, Preis 16, 90 Euro

 

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