Roman Marchel:  Kickboxen mit Lu

Roman Marchels Roman ist mir nicht leicht gefallen zu lesen. Mal erzählt der Autor, dann auch wieder die 16 - jährige Lu, dass liest sich nicht gerade einfach, dazu scheinen beide nicht einmal die Anführungszeichen zu mögen, benutzt haben sie sie jedenfalls nicht.

Die zwei Heldinnen sind zum einen Lu und die schon betagte Schriftstellerin Tulpe Valentin. Im lässigen Straßenjargon würde ich behaupten, alle beide haben einen Knall. Lus Eltern hatten ihre Tochter selbst schon einmal zu einem Psychologen geschickt, aber Lu mochte diesen Kürbistypen nicht.

In 70 nicht immer zusammenhängenden Kapiteln hat Marchel seinen Debütroman geschrieben. Als ich mich dann erst einmal eingelesen hatte und den beiden Frauen etwas näher kam, gefiel mir das Buch immer besser. Einige Absätze habe ich zwei Mal gelesen, weil ich die Tragweite der beschriebenen Szene beim ersten Mal Lesen nicht fassen konnte. Da schlägt sich beispielsweise Lu selbst ins Gesicht und legt sich anschließend über den Tisch.

Lu und Tulpe Valentin reden gemeinsam in der Pension "Zur schönen Gegenwart" miteinander. Der Gerechtigkeit halber muss jedoch gesagt werden, dass es oft sehr einseitige Unterhaltungen sind, da Lu wie ein Wasserfall reden kann. Beiden Frauen tut es gut über ihr Leben zu philosophieren. Sie reden sich die Gegenwart vielleicht nicht gerade schön, aber sie brauchen diese Auszeit für sich und ihr Leben.

Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob wohl die ältere oder die jüngere Generation mehr Gefallen an diesem Buch finden wird. Gut wärs, wenn sie es beide täten.

Roman Marchels generationenübergreifender Debütroman ist eine Bereicherung für den Büchermarkt und kann dem Fragen und miteinander Reden zwischen Generationen sehr förderlich sein!

Residenz Verlag, ISBN 978-3-701-71573-2, Preis 19, 90 Euro

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