Italo Svevo: Drei große Lebensromane

Vom Schuber aus schaut mich der vor 150 Jahren in Triest geborene Hector Aron Schmitz, später erst nannte er sich selbst Italo Svevo, an. Mit klarem, offenem Blick schaut er mich an und ich denke so bei mir, der Mann hat das Leben gekannt. Und gerade deshalb sind seine Romane zeitlos, er kannte die Menschen, konnte hinter ihre Kulissen schauen und scheute sich nicht auch unbequemes in seine Roman hineinzuschreiben.

Drei Romane stecken im Schuber.

Da ist zum einen sein Debütroman "Ein Leben": Alfonso verliebt sich in die Tochter des Chefs. Das alles spielt in Italien vor fast 200 Jahren und Alfonso beabsichtigt mit dieser Tochter natürlich auch den großen Aufstieg in eine gesellschaftlich höhere Szene. Der Text ist alt, die Geschichte keinesfalls!

"Senilita": Dieses Buch ist mir das Liebste von Svevo geworden. Es fängt menschliche Leidenschaft und zugleich Vergänglichkeit und Verfall ein. Es zeigt, dass selbst die Klugen Zeitgenossen nicht weise sein müssen. Aber der Held der Geschichte steckt den Kopf nicht in den Sand, er stellt sich seinem Leben und wächst an seinen Herausforderungen. Man kann dieses Buch sicher auch generationenübergreifend nennen, widerum zeitlos und wie ich meine höchst aktuell!

Und auch in dem dritten Roman "Zenos Gewissen" bleibt der Autor seinem großen Thema, dem Rätsel Mensch, treu. Er schaut auf einen Mann, in einer Kleinstadt lebend, und zieht mit ihm Bilanz. Dabei ist Humor, aber als Leser fühle ich mich miteinbezogen, ernst genommen und betrachte und vergleiche ganz automatisch auch mit meinem Leben.

Oft halte ich beim Lesen inne und staune aufs Neue darüber, wie aktuell Italo Svevo doch ist!

Diogenes, ISBN 978-3-257-23483-1, Preis 29, 90 Euro

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