Andrea von Treuenfeld:  In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel

Was ist aus den deutschen Jüdinnen geworden, die noch vor oder nach dem Holocaust nach Israel gelangten? Wie leben sie heute in Israel? Genau diesen Fragen geht die Autorin in ihrem Buch nach.

 

Und so war Andrea von Treuenfeld in Israel unterwegs und traf Frauen die noch aus ihrer eigenen Lebensgeschichte erzählen können. Gut, dass die Autorin diese Frauen selber zu Wort kommen lässt.

 

"Als unsere Zeit kam

 

Als unsere Zeit zum Tanzen kam

 

da hub das Massenmorden an.

 

Das Lächeln gefror uns im Gesicht,

 

das Bein hob sich zum Tanze nicht.

 

Wir waren keine Helden,

 

keine Chronik wollt uns melden.

 

Wir hatten bloß keine Jugend mehr.

 

Für andere war es unendlich schwer.

 

Nun sind wir reif und klug und satt

 

und haben, was jeder Bürger so hat.

 

Nur ... die Zeit zum Tändeln, die hatten wir nicht,

 

zum Tanzen und Scherzen und Fröhlichsein

 

... und werden sie nie mehr haben."

 

(Hanna Blitzer)

 

Auch nach so vielen Jahrzehnten spüre ich beim Lesen der Lebenserinnerungen der geflohenen Frauen so etwas wie Beschämung in mir aufsteigen. Sie hatten sich als Deutsche gefühlt und waren plötzlich nur noch die Juden. Dann in Israel waren sie nur noch die Jecketen, die manchmal nur die Sprache der Mörder beherrschten.

 

Bis zum heutigen Tag haben sich diese Frauen ihr Deutschtum ein Stück weit bewahrt und sei es nur der Berliner Dialekt oder das wöchentliche Sehen der deutschen Fernsehsendung "Wer wird Millionär?"

 

Andrea von Treuenfeld ist ein Buch wider dem Vergessen gelungen, wie es in wenigen Jahren schon nicht mehr möglich sein wird!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06685-1, Preis 22, 99 Euro

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