Heinrich von Pierer:  Gipfel - Stürme

 

In seiner Autobiografie lässt Heinrich von Pierer, so wie sich das gehört, sein Leben Revue passieren. Seine Anfänge in Erlangen und seine Ernennung zum Aufsichtsrat schildert er und erklärt an Hand eines Schemas die Siemens - Struktur nach der Neuorganisation vom 1. Oktober 1989.

Der Aufbau Ost fiel direkt in die Amtszeit von Heinrich von Pierer. Ausführlich beschreibt er aus seinem persönlichen Blickwinkel heraus wie er beispielsweise nach dem Mauerfall die Werke in Görlitz und Erfurt vorfand. Genau analysierend beschreibt er die Anfänge dort und berichtet vom guten Miteinander mit dem Erfurter Betriebsrat, von dem er sogar eine Ehrenurkunde aus dem Jahr 2002 vorweisen kann.

Klar, dass der Autor als "Kapitän auf der Brücke von Siemens" viel von den weltweiten Aktivitäten des Konzerns berichtet. Einige Stichworte sind Iran, China, der Börsengang in New York und was er für mich sehr glaubhaft und mehrmals ausspricht, ist seine soziale Verantwortung und damit verbunden, jedenfalls für weit über ein Jahrzehnt, denn dies hat er zu verantworten, auch die des Konzerns. Was von Pierer hier schreibt klingt mehr als nur nach Worthülsen.

Beim Lesen spüre ich, hier legt ein Mann Zeugnis über sein Leben ab und ich habe den Eindruck, dieser Mann tut dies sehr ehrlich. Selbstverständlich äußert er sich in aller Ausführlichkeit zum Korruptionsskandal und zu seiner ganz persönlichen Verantwortlichkeit. Auch wenn er mit der Staatsanwältin zusammengesessen hat und sie als "eine freundliche, konstruktiv arbeitende und durchaus gewinnende Frau, die sich mir gegenüber stets korrekt verhalten hatte" beschreibt, ja mit ihr sogar ihre selbstgebackenen Cookies verspeiste, kritisiert er doch die Vorgehensweise der Justitz.

Auch wenn ich hohen Wirtschaftsbossen zunächst oft eher mißtrauisch gegenüber eingestellt bin, Heinrich von Pierer fällt da aus dem Rahmen. Der einstige Vorstandsvorsitzende der Siemens AG kommt ehrlich rüber und behauptet trotz allem auch heute noch: "Es ist das schönste Amt, das die deutsche Wirtschaft zu vergeben hat, ständig herausfordernd, abwechslungsreich, immer im engen Kontakt mit hervorragenden Kollegen und Kolleginnen und in der Welt zu Hause."

Diese Autobiografie ist das ehrliche Zeugnis eines Mannes der deutsche Wirtschaft wesentlich mitverantwortet hat, den politischen Überblick nicht verliert und bei mir als ehrlicher Chronist ankommt.

 

Christian  Döring,

 

Econ, ISBN 978-3-430-20027-1, Preis 24, 99 Euro

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