Gisela Heidenreich:  Geliebter Täter

Gisela Heidenreich geht Anfang der 50er Jahre in München aufs Gymnasium. Weil sie nicht die Einzige sein will, die immer noch mit dem Ranzen zur Schule kommt, liegt sie ihrer Mutter in den Ohren wegen einer Aktentasche. Wochen später bekommt sie eine gebrauchte. Als Gisela ihre Tasche öffnet, liest sie mit blauer Tinte hineingeschrieben "Horst Wagner".

Selbstverständlich befragt die Gymnasiastin ihre Mutter nach diesem Mann. Was nun beginnt, ist die Geschichte einen Mann zu finden, der lange Zeit nicht nach Deutschland zurückkam, weil er Angst wegen seiner braunen Vergangenheit hatte.

Die Autorin verbindet sehr geschickt das Einzelbeispiel, das ins Private hineinreicht, mit der gesamtgesellschaftlichen Fähigkeit einer ganzen Nation die braune Vergangenheit aufzuarbeiten. Sie trifft dabei auf Schweigen und Ablehnung, aber auch auf stures Beharren längst vergangener Ideologien.

Wagner kam dann doch in die BRD und lebte hier noch viele Jahre ohne jemals ein Gespür für seine Schuld zu bekommen. Beinah resignierend schreibt Gisela Heidenreich über ihn: "Er fügte sein Handeln in den damals geltenden Referenzrahmen ein, der die Ermordung von Millionen Menschen möglich machte."

Zum Schluß steht Horst Wagner als Symbol für die Zeit, in der es das Nachkriegsdeutschland nicht geschafft hat, mit seiner Geschichte aufzuräumen. Dies ist die eine Sache, für mich als einer der nächsten Generation beobachte ich dasselbe Versagen in der Aufarbeitung der DDR - Zeit.

Meine Leseempfehlung für ein Buch mit aktueller Botschaft!

Droemer, ISBN 978-3-426-27432-3, Preis 22, 99 Euro

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