Frauke Geyken:  Freya von Moltke

 

Viel ist schon veröffentlicht worden zum Widerstand im dritten Reich. Auch die von Moltkes und der Kreisauer Kreis sind bekannt. Gehört hatte ich davon auch schon, wenn auch nicht im Geschichtsunterricht. Helmuth James Graf von Moltke und seine Frau Freya waren mir ein Begriff, mehr aber auch nicht.

Die gerade erschienene Biographie Freyas von Moltke erzählt vom Leben einer beeindruckenden Frau. Freya von Moltke wird 1911 in eine wohlhabende westlich orientierte Bankerfamilie hineingeboren. Mit 20 Jahren heiratet sie Helmuth James Graf von Moltke. Sie zieht mit ihm nach Kreisau in Schlesien auf das Gut der Eltern ihres Mannes. Kreisau wird ihre neue Heimat, sie organisiert das Leben auf dem Gut, bewirtet die zahlreichen Gäste, ...

Ab 1940 organisiert sich zunehmend der Widerstand gegen Hitler. Auch die von Moltkes sind daran beteiligt und bauen mit anderen den Kreisauer Kreis auf, einen Zusammenschluss von Intellektuellen aus ganz Deutschland. Drei als Landpartie getarnte Treffen finden in Kreisau statt. Diskutiert wird über die Zeit nach dem Nationalsozalismus, über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorstellungen.

Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 werden die Kreisauer Aktivitäten aufgedeckt. Freyas Mann war schon vorher festgenommen worden, weil er einen befreundeten Diplomaten vor dessen Verhaftung gewarnt hatte. Im Januar 1945 wird er zum Tod verurteilt und in Plötzensee hingerichtet. Freya, die bis zur Hinrichtung in Berlin war und im heimlichen Briefwechsel mit ihrem Mann stand, kehrt zurück nach Kreisau. Mit Hilfe ihrer Kontakte nach England gelingt es ihr mit ihren Söhnen in das von den Westmächten besetzte Deutschland zu kommen.

In den nächsten Jahrzehnten lebt sie auf drei verschiedenen Kontinenten, in Südafrika, Europa und den USA. Sie lebt bis zu dessen Tod mit Eugen Rosenstock-Hussey zusammen, dem Lehrer ihres Mannes. Bis zu ihrem Tod 2010 setzt sie sich aber vor allem für die Aufarbeitung der Vergangenheit  und das Kreisauer Erbe ein. Sie macht Vortragsreisen, spricht als Zeitzeugin vor Jugendlichen und beteiligt sich an der Entstehung der Jugendbegegnungsstätte in Kreisau.

Vor allem die vielen Textdokumente, Briefe und Interviews lassen ein lebendiges Bild von Freya von Moltke entstehen, auch viele Bilder bereichern dies Biographie. Frauke Geyken hatte für die Arbeit an diesem Buch auch Zugang zu bisher unveröffentlichten privaten Dokumenten. Ihr ist eine gute  Biograhie dieser engagierten Weltbürgerin gelungen.

 

Christian  Döring

 

C.H.Beck, ISBN 978-3-406-61383-8, Preis 19, 95 Euro

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