Johannes Schweikle: Fallwind

Der Name Albrecht Ludwig Berblinger ist heute nur noch wenigen bekannt. Johannes Schweikle hat in diesem Roman dem Schneider von Ulm ein Denkmal geschaffen.

Seine Frau, Freunde von ihm und auch er selbst geben in diesem Buch Auskunft über den Spinner, der für viele viel mehr als nur ein Spinner ist. Er lebte in der Zeit, in der sich der österreichische Kaiser und der große Napoleon Gefechte lieferten. Berblingers Freund kam aus der Schlacht mit nur einem Bein zurück. Der Schneider kostruierte eine Prothese für seinen Freund und somit konnte dieser wieder in eine gute Zukunft blicken. Ohne Angabe von Gründen verweigerte der bayerische Staatsminister dem Schneider das Patent.

Berblinger führte in Ulm auch den Kinderwagen ein, aber eigentlich gehörte all seine Vorstellungskraft der Fliegerei des Menschen. Mehrere Flugversuche unternahm er. Einen beobachtete seine Frau heimlich und antwortete auf die Frage, ob sie stolz auf ihren Mann sei: "Warum? Weil ich einen Mann will. Und keinen komischen Vogel."

Johannes Schweikle zeigt in seinem Buch einen Mann, der mit seinen Visionen lebte und der immer auch im Spannungsfeld derer leben musste, die ihn verkannten und auslachten. Der Autor zeigt in seinem zu empfehlenden Buch einen Flugpionier, der Lilienthal vom Sockel stürzt und zu dem sich seine Heimatstadt Ulm erst viele Jahre nach seinem Tod bekannte.

Trotz aller Widrigkeiten, egal ob politischer oder sozialer Art hat Albrecht Ludwig Berblinger sich immer auch Möglichkeiten und Freiräume geschaffen um für seine Visionen zu leben. An dieser Stelle hat der Roman das Zeug dazu in unsere Gegenwart zu reichen.

Der Debütroman von Johannes Schweikle verknüpft geschickt Geschichte und Gegenwart und ist nicht nur ein Denkmal für den Ulmer Schneider Berblinger, sondern auch für Träume und Visionen der Menschen heute.

 

Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-86351-004-6, Preis 18, 90 Euro

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