William Boyd:  Eine große Zeit

Ein Endzwanziger aus London kommend ist an einem schönen Augusttag des Jahres 1913 in Wien unterwegs. Er spaziert durch den Hofgarten, kauft sich den Graphic und macht sich dann auf zu einem Doktor.

Lysander Rief erklärt dem Doktor sein Problem. Es will nicht so recht klappen mit dem Beischlaf des jungen Schauspielers und dabei steht er doch kurz vor seiner Hochzeit. In Wien zeigt ihm die junge Hettie das verrückte und verruchte Nachtleben und natürlich auch wie William Boyd es ausdrückt, den "Strom der Lust". Lysander steht an einem Scheideweg und ahnt noch nichts davon.

Während Lysander durch Wien läuft und gerade mit sich beschäftigt ist, spricht ihn auf offener Straße Alwyn Munro an und der eigentliche Spionageroman kann beginnen . . .

Dabei ist es nicht einer der herkömmlichen Spionageromane. Bei Boyd kann man ja nie mit etwas herkömmlichem rechnen. Der Spionageroman, in dessen Zentrum von nun an Lysander Rief steht, ist das eine, die groß angelegte und hier brilliant geschriebene Studie über die Befreiung des Helden Lysander das andere.

Gleich einer Larve in ihrem Kokon muss Lysander sich freikämpfen. Auf unterschiedlichen Ebenen und Gebieten verlaufen die Fronten. Der Name Boyd garantiert dem Leser, dass man auch sprachlich auf seine Kosten kommt. Die Leseflüssigkeit wird durch die Aufteilung des Buches in vier Teile und ungezählte Kapitel hin und wieder etwas ausgebremst.

Am Ende des Buches löst der Autor nicht alles in einem vor lauter Glückseligkeit triefenden Happyend auf. Der Held Lysander, soeben befreit aus dem Kokon entwischt, geht nun der unruhigen Zeit des ersten Weltkrieges entgegen.

William Boyds Lysander - Studie ist zeitlos!

Berlin Verlag, ISBN 978-3-827-01066-7, Preis 22, 90 Euro

 

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