Arye Sharuz Shalicar:  Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude

Arye Sharuz Shalicar wird 1977 in Göttingen, Deutschland geboren. Seine Eltern, persische Juden, hatten ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um ihren Kindern ein freies Leben ermöglichen zu können - ohne die im Iran an der Tagesordnung extremen Diskriminierungen gegenüber Juden.
Arye wächst in Berlin auf – als ein »normaler Schuljunge«. Seine Eltern erziehen ihn areligiös, er weiß nicht viel über seine Religion, das Judentum. Bei den Verwandtschaftsbesuchen in Israel interessiert er sich vor allem für Sonne, Strand und Meer.
Alles ändert sich jedoch als er mit 13 Jahren in einen der berüchtigtsten Stadtteile Berlins zieht – den Wedding. Dort leben fast ausschließlich Immigranten und Arye wird auf Grund seines Aussehens immer als einer von ihnen, für einen Muslim, gehalten. Bis er den Davidstern an einer Kette trägt,den ihm seine Großmutter während eines Israelurlaubes schenkte. Nun kommt es fast täglich zu Konfrontationen, Freunde wenden sich radikal von ihm ab, er wird in ihren Augen zu einem Feind, den es zu bekämpfen gilt. Demütigungen und verbale Angriffe werden für Ayre zum Alltag. Bald kommt es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen. Doch dann lernt er Husseyn kennen, den Anführer einer der berüchtigtsten Jugendgangs Berlins und findet in ihm einen Freund. Er wird Sprayer, macht sich einen Namen in der Szene und wird mit 16 Jahren das erste und einzige nicht - türkische Mitglied in einer der größten Türkengangs Deutschlands. Gruppenschlägereien, Überfälle, Diebstähle usw. sind nun an der Tagesordnung, Schule und Familie werden zur Nebensache.
Der Ausstieg ist nicht leicht, erst ein Schulwechsel und das Bewusstwerden seines „Jüdisch –Seins“ machen es möglich.
Er beschäftigt sich mehr und mehr mit dem Judentum, seinen Wurzeln. So erfährt der Leser auch einiges aus dem Leben der Diasporajuden im Iran. Schwarz – weiß Fotografien illustrieren das Gelesene zusätzlich.
Arye Sharuz Shalicar merkt immer deutlicher, dass Berlin, ja Deutschland, nicht seine Heimat ist. Die Auswanderungspläne nehmen mehr und mehr Gestalt an und realisieren sich 2001 schließlich mit der Einwanderung in das Land seiner Väter, Israel. Er ist dorthin zurückgekehrt, wo er das sein kann, was er ist: ein Jude.
Die Autobiografie von Shalicar, dem Pressesprecher der Israelischen Verteidigungsarmee Zahal, liest sich sehr leicht, sie ist spannend wie ein Roman. Manchmal scheint es unfassbar, welche Seiten von Deutschland man nicht kennt; das Buch regt dazu an, neu über Integration und Antisemitismus in Deutschland nachzudenken und aufzuwachen, um die existierenden Parallelgesellschaften wahrzunehmen.
Über all dem ist es wunderschön zu sehen, wie Juden aus der ganzen Welt zurückkommen, in das Land, das ihnen von Gott gegeben wurde. Auch wenn der Autor die Einwanderung nach Israel nicht ausführlich thematisiert wird doch deutlich, dass Israel tatsächlich jüdische Heimstätte ist und dies für Juden aus der ganzen Welt, in die sie zerstreut wurden, doch jetzt ganz nach Gottes Prophezeiung zurückkehren.

DTV, ISBN 978-3-423-24797-9, Preis 14, 90 Euro

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