Uri Orlev:  Ein Königreich für Eljuscha

Wieder einmal hat Uri Orlev (Jahrgang 31) sich mit dem Thema Kindheit im zweiten Weltkrieg beschäftigt. Als Sohn eines jüdischen Kommunisten und einer christlich erzogenen Mutter wächst Eljuscha bis kurz vor seiner Einschulung in einem kleinen Ort im östlichen Polen auf. Wieder einmal hatten die übermächtigen Nachbarn in Ost und West das Land geteilt. Uri Orlev schafft es sehr gut hier in der Ich - Erzählung die Geschichte des heranwachsenden Jungen zu erzählen und immer wieder auch die großen politischen Vorgänge ab 1941 einfließen zu lassen.

Zu seinem Geburtstag bekommt Eljuscha endlich seinen großen Traum erfüllt, ein kleines Spielzeugauto. Als er eines Nachts im Schlafanzug aus seinen Träumen gerissen wird, weil die Familie vor den heranrückenden deutschen Truppen flieht, verliert der Junge das Auto. Er schreit laut und weint noch lange leise, aber das Auto mit seiner Familie rollt ostwärts. Kiew soll das erste Ziel sein und erst langsam werden Eljuscha und seine beiden größeren Zwillingsschwestern wach, sehen die Schrecken des Krieges, erleben die Flugzeugangriffe der Deutschen auf Flüchtlingstrecks selbst mit.

Das Auto muss bald aufgegeben werden und der Vater tauscht es gegen ein Pferdefuhrwerk ein. Nach langer Bahnfahrt und nachdem der Vater in den Krieg gezogen ist, kommt die Familie im fernen Kasachstan in einem kleinen Dorf an. Sie leiden Hunger, frieren schrecklich und müssen sich den Lebensgewohnheiten der muslimischen Dorfbevölkerung anpassen. Eljuscha ist der Mann im Haus, tapfer versucht er für die Familie zu sorgen.

Mich hat dieses Buch sofort in seinen Bann gezogen. Orlev berichtet in seinem Buch, dass gut auch bereits von Jugendlichen ab Klasse sechs gelesen werden kann, ohne zu verurteilen oder besonders zu kommentieren, er erzählt einfach nur eine Geschichte und das ist das Faszinierende.

Die Geschichte ist über 70 Jahre alt, ihre Botschaft wird heute gebraucht!
 

Beltz, ISBN 978-3-407-81088-5, Preis 16, 95 Euro

 

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