Laurent Mauvignier:  Die Wunde

Der französische Autor Laurent Mauvignier hat mit seinem vorliegenden Buch ein Meisterwerk geschaffen, in dem er eine Geschichte erzählt, um hinter sichtbare und vor allem unsichtbare Fassaden zu schauen.

Sein Roman geht sehr in die Tiefe, liest sich nicht einfach und schaut sehr genau auf menschliche Beziehungen. Mauvignier geht es um menschliches Zusammenleben und Aufarbeitung französischer Innenpoitik.

Held der Geschichte ist Bernard. Er kommt aus einer Familie mit vielen Geschwistern und wenn ich nun behaupte, er sei schon immer das schwarze Schaf der Familie gewesen, ist dies sicher eine sehr freundliche Beschreibung für Bernard.

Schon in seiner Kindheit hatten sich alle sofort auf ihn eingeschossen, wenn wieder mal ein Schuldiger gebraucht wurde. Klar, ein Unschuldslamm war er nicht, aber Schuld hatte er nie nur allein.

Solange, seiner Schwester, schenkte er viele Jahre später eine sehr teuere Brosche. Damit bekam die Geburtstagsparty einen seltsamen Höhepunkt. Alle Gäste, vor allem die Geschwister, schauten auf die Brosche und Bernard sah hinter jeder Stirn die Frage: Wo hat dieser Habenichts denn bloß das Geld her?

Schon allein diese verzwickte Familiengeschichte mit dem Trunkenbold Bernard, der mit niemandem so richtig konnte und immer schwarze Fingernägel hatte, wäre ein Roman wert gewesen, aber Mauvignier kombiniert die Handlung mit dem Einsatz französischer Truppen in Algerien. Bernard kämpft in den 6oer Jahren in Algerien mit und kann unmenschliche dort erlebte Szenen nie vergessen.

So packt Laurent Mauvignier die Aufarbeitung auf zwei Ebenen beim Schopfe. Dieses Buch mit seinem schweren Thema gilt es zu lesen, weil es ohne Aufarbeitung von Geschichte kein gutes Weiterleben geben kann.

Mauvignier tritt mit seinem Buch den Beweis dafür an, dass nur die Aufarbeitung der Geschichte, Zukunft ermöglicht!

 

dtv, ISBN 978-3-423-24868-6. Preis 14, 90 Euro

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