Marion Urch: Die Tänzerin

 

Versprochen hat mit der Verlag bereits auf dem Cover Einen "Lola - Montez - Roman. Aber erst als ich weit mehr als die Hälfte des Buches gelesen hatte, war klar, dass aus der kleinen in Irland geborenen Eliza Gilbert einst eine viel bejubelte Tänzerin werden würde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erblickte Eliza das Licht der Welt. Ihre Mutter war gerade mal 15 Jahre alt und war nie fähig ihr einziges Kind zu lieben. Mit drei Jahren ging die Familie nach Indien. Ein richtiges zu Hause lernte Eliza nie kennen. Der einzige der sie wirklich liebte war ihr Vater und der starb auf der Überfahrt nach Indien.

Schon bald heiratete die Mutter erneut. Eliza wurde nach England in ein Mädcheninternat geschickt. Endlich hatte Eliza einmal eine wirkliche Freundin gefunden, aber auch hier zerstörte die Mutter wieder alles. Sie kam eines Tages um Eliza zurück nach Indien zu holen. Die Mutter hatte eine Hochzeit mit einem um Jahrzehnte älteren Richter arrangiert. Völlig zu Recht fühlte sich Eliza ungeliebt und herumgeschubst.

Nach vielen Umwegen und sicher auch Glück besuchte sie eines Tages, mit der Mutter hatte sie längst gebrochen, in England eine Tanzschule. Ihr Talent wurde schnell entdeckt, sie wurde sogar nach Spanien zum Unterricht geschickt. Eliza mühte sich, aber ihr wurde gesagt, sie tanze ohne Herz. Sie kam zu einer einfachen Familie für die der Tanz zum Lebensstil, ja zum Alltag gehörte. Als ihr dort eines Tages gesagt wurde: "Sie tanzen wie eine alte Milchkuh auf dem Feld." begriff sie was ihr beim tanzen fehlte und ihr Tanz veränderte sich. Vielleicht war dies auch der Moment in dem aus der Eliza die Lola Montez geboren wurde.

Lola Montez kehrte nach England zurück und das Publikum lag ihr zu Füßen. Ebenso in Dresden, Warschau, Paris und in New York am Brodway. Lola Montez hat hart dafür bezahlen müssen, eine eigenständige, unabhängige Frau sein zu wollen. Vielleicht war sie gar eine der frühen Emanzen.

Die Autorin Marion Urch schreibt in der Ich - Form, damit kommt uns die Irin Eliza und auch die feurige Lola um so näher. Dieses Buch ist nicht nur einfach ein Frauenporträt, es ist auch zugleich die Beschreibung einer fernen Zeit in der die Frauen in gesellschaftlichen Zwängen oft zu Objekten degradiert wurden.

 

Christian  Döring

 

Aufbau Verlag, ISBN 978-3-7466-2632-1, Preis 9, 95 Euro

 

Nach oben