Sorj Chalandon:  Die Legende unserer Väter

Die Tochter eines französischen Widerstandskämpfers will, dass über ihren Vater eine Biografie geschrieben wird und geht zu Marcel Fremaux, der bereits mehrere Lebensgeschichten zu Papier gebracht hat.

Mehrmals trifft sich der Schreiber mit dem alten Beuzaboc. Er befragt ihn, lässt ihn drauf los erzählen und bekommt des öfteren ein ungutes Gefühl dabei.

Die Tochter des Widerstandskämpfers hatte als Schülerin bereits einmal begonnen über ihren Vater zu schreiben. Sie erwähnte wie er mit zwei anderen Blumen am Grab eines gefallenen Engländers Blumen niederlegte. Auch von den Granatsplittern des Vaters Bein schrieb sie.

Immer offensichtlicher wird es für Marcel Fremaux, dass der große Widerstandskämpfer nichts an heroischen Leistungen vorzuweisen hat. Als ihm dann die Tochter völlig unverblümt mitteilt, dass das Bein des Vaters heute nicht steif ist wegen einer Kriegsverletzung, sondern wegen eines Arbeitsunfalles nach dem Krieg, da beginnt der Autor noch intensiver darüber nachzudenken, warum der Tochter dieses Buch so wichtig ist.

Sorj Chalandon hat ein schwieriges Thema aufgenommen und wunderbar verarbeitet. Wer oder was waren unsere Väter? Eine Frage die jederzeit neu gestellt werden wird, nicht nur um Kriegserlebnisse aufzuarbeiten.

Fremaux erlebt mit seinem Buch den Weg der offenen Wahrheitsfindung. Der Schluß des Buches beeindruckt ungemein. Er ist schmerzlich, berührend und in der Beziehung zwischen Vater und Tochter doch so heilsam.

Chalandons Buch lässt Väter in neuem Licht erscheinen und nimmt Kinder neu in die Pflicht!

DTV, ISBN 978-3-423-24899-0, Preis 14, 90 Euro

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