Hannah Ahlheim:  "Deutsche, kauft nicht bei Juden!"

Hanna Ahlhelm hat sich in ihrer Dissertation eines Themas angenommen, dass sich in der Gegenwart immer häufiger der Geschichtsverklärung erwehren muss. In zwei große Teile hat sie ihr Buch unterteilt:

Antisemiten und politischer Boykott in der Weimarer Republik

und

Antisemitische Boykotte 1933 bis 1935 - "gelenkter Volkszorn" ?

Sehr deutlich wird beim Lesen, wie geschickt es die politisch Verantwortlichen mit gezielten Aktionen schafften, die Volksmassen gegen die bis dahin in friedlicher Eintracht lebenden jüdischen Mitbewohner aufzubringen. Dabei nimmt die Autorin sehr genau den wirtschaftlichen und den politischen Boykott ins Visier. So erinnert sie zum Beispiel daran, dass sich bereits ab dem Jahre 1924 die Werbung besonders auf deutsche beziehungsweise christliche Geschäfte verstärkte.

Wichtig zu lesen ist diese Arbeit besonders deshalb, weil es der Wissenschaftlerin gelungen ist bis dahin nicht zur Verfügung stehende Quellen zu nutzen, so unter anderem Quellen aus dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dem Moskauer Sonderarchiv.

Durch die Nutzung dieser neuen Quellen war es Hannah Ahlheim unter anderem möglich, der immer wiederkehrenden Behauptung entgegenzutreten, dass die NSDAP dem Antisemitismus bereits früh die Zügel angelegt hätte. Genau das Gegenteil kann die Autorin nun beweisen.

Dieses Buch, dass leider ganz ohne Fotos auskommen muss, ist ein wichtiger Meilenstein in der Aufarbeitung unserer deutschen Geschichte. Solche Bücher müssen heute gelesen werden um der gegenwärtigen Geschichtsverklärung entgegenzutreten!

 

Wallstein, ISBN 978-3-8353-0883-1, Preis 39, 90 Euro

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