Dan Vyleta:  Der stumme Zwilling

Der heute in Kanada und den USA lebende Vyleta führt uns nach Wien in die Zeit der verbotenen Bücher. Vor der jungen Zuzka breitet sich eine unwirkliche, gefährliche Welt aus. Im Oktober 1939 beobachtet sie sonderbare Dinge und die Menschen dazu benehmen sich so auffällig, dass Zuzka sich Dr. Beer anvertraut.

Der hat früher als Neurologe gearbeitet, hat Freud gelesen und hat heute Angst zum Ziel der Nazis zu werden. Schon bald haben er und Zuzka ein Geheimnis. In seiner Wohnung, in seinem Bett liegt eine Gelähmte.

Dan Vyleta kommt es in seinem Roman darauf an zu zeigen, wie politische Umstände Menschen verändern können. Was hat der  der Nationalsozialismus mit den Menschen in Wien gemacht? Vyleta mischt Fiktion und Wahrheit. In kursiver Schrift sind historisch belegte Fakten eingeschoben, dadurch tritt diese unglaublich unwirkliche Zeit der dreißiger Jahre dichter an uns Leser von heute heran.

Vieles was der Autor in seine Geschichte mit einfließen lässt klingt so unglaubhaft, dass es nicht erst erfunden werden musste. Da nimmt Thomas Mann an einer spiritistischen Sitzung teil, psychiatrische Patienten werden ermordet und ich bleibe nach dem Lesen mit der Frage zurück: Was hätte ich wohl getan im Herbst '39 in Wien?

Bloomsbury Berlin, ISBN 978-3-8270-0971-5, Preis 22, 00 Euro

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