Emmanuelle Pagano:  Bübische Hände

Dieses Buch fällt aus dem Rahmen, weil in ihm niemand der Handelnden spricht. Es steht symbolhaft für unsere sprachlose Zeit.

Hat man sich erst einmal in diesen Roman hineingelesen, werden einem die vier Frauen schnell vertraut. Da ist die Frau des reichen Winzers. Sie darf nicht putzen, hat wahnsinnige Ohrenschmerzen und fühlt sich in ihrem Haus fehl am Platze. Die Putzfrau soll sie gut kontrollieren, bei Putzfrauen weiß man ja nie, meint zumindest ihr Ehemann.

Neben der Gedichte schreibenden Putzfrau lernt der Leser auch ein zehnjähriges Mädchen und eine alte ghörlose Lehrerin kennen, die inzwischen so vom Verfall gezeichnet ist, dass sie in einem Altersheim lebt und sich von einer ehemaligen Schülerin den Hintern abwischen lassen muss.

Alle Beteiligten wissen von einer schrecklichen Tat, niemand spricht darüber. Die Autorin schafft es diesen Roman so zu schreiben, dass es schwerfällt ihn in eine bestimmte Schublade zu stecken und doch erkenne ich als Leser sofort menschliche Handlungsmuster, denen ich täglich begegnen kann, wenn ich sie denn sehen will.

Emmanuelle Pagano hat die Menschen durchschaut. Sie weiß genau wo unsere Defizite im Alltag liegen. Ihr Buch wird zu einem Spiegel, vielleicht auch zu einem Wecker, mit dem sie uns aus unserem Alltagstrott erwecken will.

 

Wagenbach, ISBN 978-3-8031-3236-9, Preis 16, 90 Euro

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