Youssef Ziedan:  Azazel

Spätestens seit dem Arabischen Frühling schmücken sich viele Verlage mit arabischen Büchern, immer mehr auch Romanen. Luchterhand hat dabei mit "Azazel" in meinen Augen ein goldenes Händchen bewiesen, wird aber mit diesem Buch auf dem Büchermarkt nicht glücklich werden.

Seinen Roman beginnt der Professor für Islamische Philosophie Youssef Ziedan mit dem Vorwort des Übersetzers. Auf genau 30 Pergamenten wurde die Autobiografie des Hypa gefunden. Als er seine Biografie schrieb, war er bereits koptischer Mönch. Hypa blickt auf sein Leben zurück und er lässt dabei seine sehr genauen Beobachtungen mit einfließen. 500 Jahre nach der Geburt Christi gab es Gewalt die oftmals von Christen ausging.

Das tragische an der Figur ist, dass Hypa eigentlich nach etwas sucht, was es nicht geben kann. Er ist zeitlebens auf der Suche nach dem freien Menschen. Nach dem der keinen Teufel und keinen inneren Schweinehund mehr in sich spürt.

Dem Autor ist in seinem Roman sehr genau anzumerken was er beruflich tut. Aber er liefert hier nicht theoretische Floskeln oder Lehrsätze, er blickt viel mehr auf das sündige Möchlein und auf dessen Umkehr, denn er setzt immer wieder neu an um die Wahrheit und die Gewaltlosigkeit zu finden.

Ein großartiger Roman. Niemand sollte sich von der Vielzahl der Kirchenbezeichnungen abschrecken lassen. Hat man sich die Handlung erst einmal erschlossen, wird man von der Figur des Hype immer mehr fasziniert sein.

Ein unbekannter Mönch hat einmal zu den 30 Pergamenten gesagt: "Ich werde diesen Schatz wieder vergraben, denn die Zeit seines Erscheinens ist noch nicht gekommen!"

Meines Erachtens ist diese Zeit längst übefällig, ich bin froh mich auf diesen Schatz eingelassen zu haben!

Luchterhand, ISBN 978-3-630-87331-2, Preis 22, 99 Euro

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