Siobhan Dowd:  Auf der anderen Seite des Meeres

Die längst entstandene Fangemeinde in Deutschland freut sich auf das inzwischen vierte Buch der irischen Autorin Siobhan Dowd. In Ich - Form schreibt sie vom Schicksal des heimatlosen Mädchens Holly Hogan.

Beeindruckend ist für mich die poetische Sprache der Autorin. Diese Sprache steht im brutalen Kontrast zum Schicksal der Holly Hogan. Alles ist für sie neu: Die Schule, die Pflegefamilie und im Leben selbst war sie noch nie angekommen, es konnte doch nicht sein, dass dies das Leben für sie sein sollte.

Plötzlich erlebt der Leser die Verwandlung der Holly in Solace. Mit Hilfe einer Perücke ist sie nun ein neues Mädchen geworden und läuft weg. Sie will endlich zu ihrer Mutter. Es wird eine Reise ins Ungewisse.

Wie in einem Kreis kommt Solace eines Tages, nach vielen Erlebnissen und Zwischenstationen jedoch wieder am Ausgangspunkt ihrer Reise an. Sie hat viel erlebt. Von der Brücke ist sie dann doch nicht gesprungen und vielleicht war es ja auch ganz gut, dass der Wind ihre Perücke dann endgültig in die hohe See verschwinden lies.

Die Rückverwandlung in das Mädchen Holly verläuft nicht schmerzfrei, ist aber notwendig für Holly Hogan um im Leben anzukommen. Ihre Pflegeeltern nehmen sie wieder auf, sie ist jetzt 15 Jahre und einen Tag alt, hat das ganze Leben vor sich und ist jetzt bereit zu starten. Das ist der versöhnliche Schluß dieser Geschichte und ich kann ihn verraten, ohne etwas vom Inhalt des Buches verraten zu haben. In diesem Meisterwerk der Siobhan Dowd sind es die Zwischentöne die die Musik machen, die das Leben entschlüsseln, die etwas vom harten Alltag, aber auch von den schönen Seiten des Lebens erzählen.

 

Carlsen, ISBN 978-3-551-58189-1, Preis 14, 90 Euro

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