Ingrid Thurnher:  Auf den Spuren des Udo Proksch

Wohl keine andere Gestalt der Nachkriegszeit hat die Gesellschaft so gespalten wie Rudolf Proksch, genannt Udo. Der 1934 in Mecklenburg geborene Militärfan und Gründer der "Senkrechtbestatteten" hat so ein bewegtes Leben geführt, dass wohl viele nur mit einem Bruchteil von Udos Leben, ein anderes langes hätten füllen können.

Ganz zweifellos lebt dieses Buch von der Vielzahl der Fotos und schriftlichen Zeitdokumente, von denen viele zum ersten Mal veröffentlicht wurden. Allein das Durchblättern der Fotos ist auch ein Spaziergang durch die österreichische Nachkriegszeit. Interessant ist es zu sehen, mit welchen Prominenten der selbst erklärte Hasser der Bourgeosie alles Kontakt hatte.

Der "Fall Lucona" ist bis heute aufs engste mit Udo verbunden. Bis heute gilt dieser Fall als einer der spektakulärsten Kriminalfälle und es gilt als bewiesen, dass Udo zu recht als sechsfacher Mörder im Knast gelandet ist. Die vielen Ungereimtheiten in diesem Fall aus den 70er Jahren und die politisch gewollten Versuche der Vertuschung werden von Ingrid Thurner sehr anschaulich dargestellt.

Und dennoch bleibt Udo ein Rätsel. Er hat so viele Gesichter wie eine Sonnenblume Blütenblätter hat. Nach dem Lesen dieses Buches erscheint mir Udo Proksch nicht einmal unsymphatisch, viel eher bin ich erschrocken darüber, dass er zum Mörder geworden ist.

Egal ob der große Künstler, der Brillen zu hochwertigen Modeartikeln hochstilisierte oder, ob ich ihn sitzend als Waffennarr auf einem Panzer sehe, diesen Mann kann man nur sehr schwer in einem Buch einfangen. Ingrid Thurners ist ein eindrucksvolles Zeitdokument gelungen.

 

Ecowin, ISBN 978-3-711-00002-6, Preis 23, 90 Euro

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