Robert Pragst:  Auf Bewährung

Auf dieses Buch habe ich lange gespannt gewartet und es dann sehr schnell durchgelesen. Ich fand alle meine Beobachtungen als langjähriger Schöffe an einem Landgericht hier in diesem Buch bestätigt.

Egal ob Staatsanwälte oder Richter, sie versinken immer mehr in Aktenbergen und die Qualität ihrer Arbeit leidet schwer darunter. Würden sie sich täglich immer wieder neu Gedanken darüber machen, dass hinter jeder Akte mindestens ein Menschenschicksal steht, würden sie sicher im Eiltempo das Gerichtsgebäude verlassen, aber was dann?

Autor Robert Pragst war im Rahmen seiner Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft Berlin - Moabit gelandet. Eine Vorstellung von dem was ihn dort erwartet hatte er nicht. Aber fern aller TV - Gerichts - Sendungen lernte er dann sehr schnell die Realität kennen.

Er hat erfahren, dass viele Vorschriften oft viel Zeit kosten und nichts bringen, ja er hat sogar erlebn müssen das Täter von deren Schuld er überzeugt war laufengelassen wurden.

Einiges in diesem Buch mag für den Leser der noch nie eine Gerichtsverhandlung miterlebt hat, so realitätsfern klingen, dass er es kaum glaubt, aber wie gesagt, aus eigenem Erleben kann ich den Sätzen des Autors nur zustimmen und seine Enttäuschung über die deutsche Justitz sehr gut nachvollziehen.

Dieses Buch ist mehr wert als jeder gute Krimi. Robert Pragst lesen, heißt in der Realität ankommen!

dtv, ISBN 978-3-423-24903-4, Preis 14, 90 Euro

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