Karin Kersten:  An Schlaf war nicht zu denken

Eine Agentur die Leute beobachten soll, steht ja wohl im Dienste der aufrichtigen Wahrheit. Was aber, wenn sich scheinbar niemand für die Wahrheit interessiert? In der Agentur von Oda Lieberos herrscht totale Auftragsflaute und das zerrt sehr an den Nerven der drei Mitarbeiter.

Plötzlich kommt Bewegung in den Roman und in die persönliche Lebensgeschichte von Oda. Ihr Ex - Freund vermißt seine Mutter und will sie von Odas Agentur suchen lassen.

Dies ist die vordergründige Romanhandlung. Mir scheint jedoch, dass Karin Kersten eine Meisterin des Schreibens zwischen den Zeilen ist. Die Agentur hat nicht gerade viele Sicherheiten, sprich Geld in der Firmenkasse und dennoch lässt sie gerade jetzt die Büroräume renovieren. Sie hat eine heftige Begegnung mit ihrem abgebrochenen Schuhabsatz die sie etwas von Verletzlichkeit und Unsicherheit spüren lässt. Dabei ist Oda, so wie wohl alle, auf der Suche nach Sicherheiten im Leben die es nie geben kann. An dieser Stelle verlässt die Autorin ihre Romanhandlung und verlangt von ihren Lesern Mitdenken und einen klaren Blick auf das eigene Leben.

Natürlich wird die Mutter des ehemaligen Freundes weiter gesucht und dies sind nur meine Leseeindrücke und dennoch sprach mich diese Autorin sehr direkt an. Eben durch ihre Geschichte, ihre sehr poetisch - direkte Sprache und durch ihre kleinen, aber sehr wichtigen Sätze zum Leben allgemein. An jedem Leser selbst wird es liegen, welchen Schuh er sich anzieht, wie weit er bereit ist sich seinem Leben zu stellen, der Wahrheit allerdings sind wir alle verpflichtet auch uns selbst gegenüber.

 

Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-86351-003-9, Preis 21, 50 Euro

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