Katharina Kunter:  500 Jahre Protestantismus

Dieses Buch reicht mehr in den gesellschaftlichen Alltag der Gegenwart als der Titel vermuten lässt. Die Autorin zeigt warum gerade die Niederlanden, Schweden, Dänemark und Kanada heute als sozial und manchmal sogar als "globale Samariter" beschrieben werden. Die Autorin meint, dass dies durchaus auf protestantische Ursachen zurückzuführen sei.

So ist dann dieses Buch kein reines Geschichtsbuch, sondern an vielen Stellen erfreulich aktuell. Von der ersten ordinierten Pfarrerin in Deutschland, es war 1958 Elisabeth Haseloff, führt das Buch bis hin zur Theologin Dorothee Sölle und besetzt damit zugleich Themen wie Frauen in der Kirche und Feministische Theologie.

Auch die dunklen Seiten und Irrwege des Protestantismus finden in diesem reich bebilderten Werk Erwähnung. Was tat die evangelische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland? Namen wie Martin Niemöller und Jochen Klepper werden erwähnt, zu sehen ist aber auch die brennende Synagoge in Bielefeld. Unter dem Bild steht: "Die Kirchen blieben stumm . . ."

Neben Kurzbiographien bedeutender Theologen aus 5 Jahrhunderten ist es besonders reizvoll immer wieder in dies Buch zu schauen, weil es immer wieder in unseren Alltag führt. "Protestantismus postmodern: Zwischen Cafe Church und Network Church" lautet eine Überschrift. Inhaltlich geht es um die vielen evangelikalen und auch freikirchlichen Gemeinden die gegenwärtig weltweit gegründet werden.

Fazit: Ein wohlüberlegter, gut vorbereiteter Ausflug in unsere Geschichte mit Zielort: Gegenwart.

 

Gütersloher Verlagshaus,  ISBN 978-3-579-08097-0, Preis 39, 95 Euro

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