Rainer Buck:  44 Tage mit Paul

Paul und Natascha landen ohne es geplant zu haben und ohne sich vorher verliebt zu haben über Nacht im Bett. Am Morgen danach stellt Natascha fest, dass sie ihren Slip noch an hat. So ist also in dieser Nacht nichts passiert.

Während Natascha, die Lehrerin, ihre Gedanken sortiert, versucht sie sich an den Abend zuvor zu erinnern. Sie hatte ihr Ende mit Lars im Alkohol versucht zu ertränken und dabei den frommen Paul getroffen, der freiwillig obdachlos geworden war. Er hatte seine Herberge für eine Frau geräumt die hochschwanger war.

Die "Staatsbeamtin in wohlgeordneten Verhältnissen" nahm Paul bei sich auf und für den Leser wechseln humorvolle Szenen mit sehr tiefsinnigen, in denen es um den christlichen Glauben und die Heuchelei so manch guter Christen geht. Natascha hat Anfangs Schwierigkeiten, aber Paul beeindruckt sie immer mehr.

Es ist dies bereits der zweite Roman von Rainer Buck. Als Fan der Popmusik ist es nicht verwunderlich, dass der Autor neben seiner wunderbaren Beschreibung dieses noch ungleichen Paares auch durch das ganze Buch hindurch Musikgruppen und Songs mit einbaut. Auf den ersten Seiten übertreibt er dies ein wenig und ich hatte Angst, dass die eigentliche Geschichte von der Musik erstickt werden könnte, aber dann erwähnt Rainer Buck die Musik etwas seltener und die Liebesgeschichte zieht den Leser vollkommen in den Bann.

Unterschiedliche Lebensentwürfe und Sichtweisen, prallen in diesem Buch aufeinander, werden immer wieder neu beleuchtet, gegenübergestellt und analysiert. Manchmal beneidet Natascha Paul und gesteht sich ein, Verhaltensweisen der eigenen Eltern übernommen zu haben, die sie selbst einmal abgelehnt hatte. In den Disputen der beiden Romanhelden werden sich die Leser wiederfinden, vielleicht ertappen sich einige sogar dabei, sich und ihr Handeln heimlich zu hinterfragen. Dem Autor wäre dies sicher recht.

 

EWK Verlag, ISBN 978-3-938-17563-7, Preis 10, 85 Euro

 

buecherveraendernleben hatte jetzt Gelegenheit mit Rainer Buck, dem Autor des soeben erschienen Romans "44 Tage mit Paul - Liebe, Gott & Rock 'n' Roll" ein Gespräch zu führen.

Rainer Buck

 

Lieber Rainer, verrate mir doch als erstes, wie kommt ein Mann dazu seine Geschichte als Frau zu erzählen?

Das war zunächst einmal Lust am Experimentieren und ein Stück weit auch Vorsorge, dass die Geschichte meinem ersten Roman "Aljoscha" nicht zu ähnlich wird, trotz der verwandten Thematik. Es geht ja in beiden Büchern stark um Ehrlichkeit in Glaubensfragen.
Im realen Leben kommuniziere ich wahrscheinlich in Familie, Gemeinde und Beruf mehr mit Frauen als mit Männern. Wenn ich also als Erzähler in eine fremde Person schlüpfe - warum nicht mal in eine Frau?

Wie bist Du auf die Idee gekommen aus den doch so unterschiedlichen Gestalten Natascha und Paul ein Paar werden zu lassen?

In eine Geschichte gehört ja etwas Spannung. Deshalb handeln wahrscheinlich die meisten Liebesgeschichten davon, dass Menschen von unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Herkunft zueinander finden. In diesem Fall also: moderne, bodenständige Frau, der freilich der Boden, auf dem sie steht, hin und wieder entgleitet, trifft auf einen "seltsamen Heiligen".

Im Buch geht es um unterschiedliche Weltanschauungen. Paul ist Christ. Hat er Natascha deshalb etwas voraus?

Ja, hat er, sage ich als überzeugter Christ, aber was es ist, will vom Leser entdeckt werden. Es gibt den bekannten Spruch: Christen sind nicht besser, aber sie sind besser dran. Den würde ich allerdings nicht zu leichtfertig in den Mund nehmen. Denn als Christ mußt du manchmal vielleicht sagen: mein Glauben hilft mir vor allem in Problemen, die ich ohne den Glauben gar nicht hätte. Für mich persönlich ist Gottes Liebe, verkörpert in der Person Jesus Christus, eine Lebensgrundlage, ohne die alles wegbräche. Aber trotzdem scheint es Menschen zu geben, die ohne diesen Glauben durchaus reflektiert und sinnerfüllt leben. Ich muss zugeben, dass mein ursprünglicher Plan für die Geschichte mehr oder weniger vorsah, dass Natascha erkennt, was Paul ihr voraus hat. Aber ich habe sie da etwas unterschätzt.
Natascha entpuppt sich in Diskussionen als überraschend ebenbürtig.
 

Wenn Du sagst: "Natascha entpuppt sich in Diskussionen als überraschend ebenbürtig." heißt das, Paul hat ihr als Christ nichts voraus oder heißt es Natascha ist auch ohne Christ sein mit ihm auf Augenhöhe?

Ich will damit sagen, dass die kritischen Einwände, die Natascha gegen christliche Dogmen und sogar gegen Pauls persönliche Einstellung vorbringt, nicht einfach von der Hand zu weisen sind. Wenn man weiß, dass ich bekennender Christ bin, könnte man vielleicht annehmen, Paul sei mein persönliches Sprachrohr. Ich stellte aber fest, dass Natascha in den Diskussionen mit ihm und mit anderen Christen manchen Punkttreffer landet. Es gibt Szenen, wo sie vielleicht fast christlicher argumentiert als die bekennenden Christen. Der Apostel Paulus schreibt ja im berühmten Kapitel 13 des Korintherbriefs, dass ohne die Liebe unsere ganzen christlichen Gedankengebäude nichts wert sind. Umgekehrt denke ich, dass dort wo Menschen wirklich lieben, etwas von Gottes ewiger Liebe aufleuchtet

Wenn ich einen Roman schreibe, sind nicht alle Personen fix und fertig determiniert. Ich tauche mit in die Welt ein und versuche, die Figuren leben zu lassen. Das richtige Leben hat mich gelehrt, Menschen nicht in eine Schublade zu stecken. Als Konsequenz daraus, wird man in meinen Büchern in der Regel eher vielschichtige Charaktere finden.

 
Du hast es selbst angesprochen, dieses Buch ist dein zweites. Warum schreibst Du?

Die Antwort darauf hört sich sicher frömmer an als meine Bücher: ich suche Wege des Ausdrucks, wie Gott uns offensichtlich in unserer Individualität liebt.  Ich glaube, dass das Evangelium etwas Befreiendes hat, uns zu unserer Bestimmung führen will, während viele Einflüsse unserer Umwelt uns gerade daran hindern, uns selbst annehmen zu können. Ich bin leidenschaftlicher Laienprediger, spüre aber, dass ich in dieser Rolle an Grenzen komme, die ich als Geschichtenerzähler vielleicht überwinden kann.

Und ganz speziell zu "44 Tage mit Paul", ich hab dein Buch jetzt gelesen, du kennst meine Meinung dazu, was möchtest du als Autor was ich ganz konkret als Leser mit aus diesem Buch in meinen Alltag mitnehme?
 
Auf Fragen dieser Art keine Antworten zu erwarten, sondern eine Freude daran zu entwickeln, selbst Antworten zu suchen. Das wäre die Kurzformel einer Antwort. Die ausführlichere Variante: Ich hoffe, dass dieses Buch von den verschiedensten Leuten gelesen wird: Gläubigen Christen würde ich gerne dazu anstiften, sich angstfrei und ungehemmt zu Freuden und Leiden ihrer christlichen Existenz zu bekennen und keine herausfordernde Fragen zu scheuen. Eine tiefe Verwurzelung im Glauben bewahrt vor den unseligen Zwängen der Rechthaberei. Suchende und Skeptiker möchte ich darin bestärken, alles zu bezweifeln, einschließlich der eigenen Zweifel.
Ach ja, und alle sollten sich wenigstens ein Gospelalbum von Elvis zulegen :-)

Also, zurücklehnen und Dein Buch lesen. Herzlichen Dank für das nette Gespräch mit Dir, Deinem Buch wünsche ich natürlich viel Erfolg!!!

 

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